Originaltitel: ARVEN

DK/Norwegen 2003, 108 min
Verleih: Arsenal

Genre: Familiensaga, Drama

Darsteller: Ulrich Thomsen, Lisa Werlinder, Gihta N¿rby

Regie: Per Fly

Kinostart: 10.02.05

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Das Erbe

Tragödie um Pflicht und Freiheit

Christoffer sitzt auf einer Bank und sieht hoch zu den Fenstern des gegenüberliegenden Hauses. Hinter der Gardine nimmt er eine Bewegung wahr. Ein Fenster wird geschlossen. Später wird sich die Haustür öffnen und eine Frau wird herauskommen, ein Kind an der Hand. Er wird den beiden nachgehen und sie beobachten. Aber er wird sich ihnen nicht nähern, denn er ist zum Zuschauer geworden. Zum Zuschauer seines eigenen, vergangenen Lebens ...

Regisseur Per Fly drehte 2000 DIE BANK und siedelte seinen Konflikt in der Arbeiterklasse an. DAS ERBE nun ist der zweite Teil einer Filmtrilogie über die dänische Gesellschaft und fokussiert die obere Gesellschaftsklasse. Fly erzählt von der Tragödie eines Mannes, der sich aus Loyalität und Pflichtgefühl gegen seine Ehe und sein bisheriges Leben entscheidet. Christoffer, Sohn eines dänischen Stahlunternehmers, hat in Stockholm ein neues Leben begonnen. Er betreibt ein Restaurant und ist glücklich verheiratet mit der Schauspielerin Maria. Als sein Vater Selbstmord begeht, besteht die Mutter auf der Rückkehr Christoffers. Er soll die Geschäfte übernehmen und die angeschlagene Firma retten. Trotz gegenteiliger Pläne und zur Überraschung seiner Frau akzeptiert er ...

Per Flys vordergründiges Interesse gilt der Unausweichlichkeit der Frage, was man tun will, und was man tun muß. Mit Neugier und Leidenschaft nähert er sich seinen Figuren. Er schaut nicht auf sie, vielmehr entwickelt er seinen Ansatz weiter, die Welt durch die Augen der Protagonisten zu sehen. Ulrich Thomsen verkörpert einen Geschäftsmann, der sich widerwillig zu drastischen Maßnahmen gezwungen sieht, dem nicht gefällt, was er tut, der jedoch nicht in der Lage ist, gegen sein Pflichtgefühl zu handeln, und der die Folgen für sein Leben nicht abzuschätzen vermag.

Thomsen liefert hier eine beißend satirische Vorstellung, welche DAS ERBE zu einer fesselnden Charakterstudie macht und den präzisen und emotional durchdrungenen visuellen Stil der Regie trägt. Fly, obwohl selbst kein Dogma-Schüler, nutzt die Vorteile der Handkamera. Sein Blick wechselt zwischen Anschauen und Beobachten. Mit Intimität folgt die Kamera den emotionalen, dokumentarisch kühl den professionellen Entscheidungen des Protagonisten. Ein ungewöhnliches und kraftvolles Drama, ein authentisches Bild der Upper Class Dänemarks.

[ Jane Wegwitz ]

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