D 2000, 120 min
Verleih: Senator

Genre: Psycho, Thriller, Literaturverfilmung

Darsteller: Moritz Bleibtreu, Edgar Selge, Christian Berkel, Justus von Dohnànyi, Oliver Stokowski

Regie: Oliver Hirschbiegel

Kinostart: 08.03.01

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Das Experiment

Dichter und bedrückender Psycho-Grenzgang

Mit einer unscheinbaren Zeitungsannonce fängt alles an. Wie es endet, kann keiner ahnen. So sind die 20 Männer, die sich für ein vierzehntägiges Experiment in einem Scheingefängnis als Testpersonen zur Verfügung stellen, zunächst noch guter Dinge. Mit unverhohlener Spielfreude und voller Elan stürzen sie sich in ihre neuen Rollen - die einen als Wärter, die anderen als Gefangene. Noch vertreibt man sich die Zeit mit Witzeleien, noch sorgen Gefängnisordnung, Gitter und Schlagstöcke für Gejohle. Auch Tarek hat es in den simulierten Knast verschlagen. Doch ihn lockt nicht das in Aussicht gestellte Salär, sondern die Chance auf eine gute Story, die ihm den Wiedereinstieg ins Journalistengewerbe ermöglichen soll. Zuletzt wird er einfach nur froh sein, mit dem Leben davonzukommen, denn die Situation eskaliert und brave Bürger werden zu grausamen Sadisten.

Die Bestie Mensch liegt auf dem Seziertisch, genaugenommen ihre Psyche. Und der fernseherfahrene Regisseur Oliver Hirschbiegel führt das Skalpell mit furchtbarer Präzision. Intelligent setzt er Kamera, Schnitt und Beleuchtung ein, läßt seine Darsteller, von denen jeder einzelne ein Glücksgriff ist, ihr ganzes Können ausspielen. Schüchterner Imbißbetreiber, kumpelhafter Elvis-Imitator oder komplexbeladener Flughafenangestellter. Egal mit welcher Fassade die Versuchskaninchen das Labor betreten haben - Hirschbiegel kratzt am Lack, trägt Schicht für Schicht ab und legt blutige Klumpen frei. So dauert es nicht ganz einen Tag, bis die Machtproben zwischen Aufsehern und Häftlingen zu ersten Gewalttaten führen und alle Hemmungen fallen.

Hirschbiegels Inszenierung bringt mit zwingender Logik eins aus dem anderen hervor, eisern zieht jede Handlung verheerende Konsequenzen nach sich. Angespanntheit, die Ambivalenz zwischen Hoffen, Bangen, Angst und dem Mut der Verzweiflung prägen die Atmosphäre. Selbst der gewagte Blutrausch kurz vor Schluß kann die Gewißheit nicht nehmen: Es hat so kommen müssen.

[ Sylvia Görke ]

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