Originaltitel: LA GUERRE EST DECLARÉE

F 2011, 100 min
FSK 6
Verleih: Prokino

Genre: Drama

Darsteller: Valérie Donzelli, Jérémie Elkaïm, Brigitte Sy, Michèle Moretti

Regie: Valérie Donzelli

Kinostart: 26.04.12

3 Bewertungen

Das Leben gehört uns

Krieg der Köpfe

Vorsicht, Vorsicht! Man braucht schon eine sehr zwingende Erklärung dafür, diesen von Kritik und Heimatzuschauern vieltausendfach bejubelten Film nicht zu mögen. Kämpft darin doch ein junges Pärchen um ihr Baby. Um das gemeinsame Lachen und das kleine Alltagsglück. Die Geschichte ist noch dazu wahr, Hauptdarsteller/Autoren/Regisseurin in Personalunion haben alles so oder so ähnlich selbst durchlitten. Nicht zuletzt kommt DAS LEBEN GEHÖRT UNS aus Frankreich, voilà, was soll da noch passieren? Nun, es kann jede Menge passieren.

Beiläufig tönt eine Fernsehstimme, die USA hätten dem Irak den Krieg erklärt, was das Ganze zeitlich verankert. 2003 also. Valérie Donzelli und Jérémie Elkaïm haben für ihr Drama zugleich ihren Originaltitel gefunden: „La Guerre est déclarée.“ Die Front ist keine irakische Rebellenhochburg, sondern das recht friedliche Paris. Trotzdem reduziert sich das Ausmaß für die kleine Familie auf einen Überlebenskampf. Ärzte haben bei Söhnchen Adam zunächst eine Gesichtsasymmetrie, dann die Ursache festgestellt: Das Baby hat einen Hirntumor. Für Mutter und Vater beginnt eine Schleuderfahrt zwischen Verdrängen und Einsehen, ein Krieg der Köpfe, mündend in Aktion und Aktionismus.

Donzelli und Elkaïm haben sich dort längst für eine besondere Erzählweise entschieden. Nach bonbonbuntem Beginn hechtet die Handlung vom ersten Zusammentreffen über Zuckerwatte, Zoo und Zusammenziehen hin zu Adams Geburt. Sein buntes Stakkato wird DAS LEBEN GEHÖRT UNS nicht mehr verlieren. Nicht bei den Ortswechseln zwischen Paris und Marseille, den endlosen Terminen bei Ärzten und Spezialisten, Treffen mit besorgten Verwandten, nicht im Streit und der Zärtlichkeit zwischen Roméo und Juliette. Natürlich sind auch die Namen der Figuren stilprägendes Hilfsmittel. Wenn schon nicht Shakespeares Dimension, dann wenigstens etwas Märchenmusicalromantik, denn Liebeserklärungen werden auch schon mal gesungen.

Alles wirkt, als würden Donzelli und Elkaïm ihre Zuschauer immerfort vor dem echten Ausmaß des Gezeigten schützen wollen. Was sie ihnen trotzdem zumuten, steht auf einem anderen Blatt. Selbst mit dem Wissen, daß es außer Andreas Dresens Art immer noch andere geben muß, Krebs ins Kino zu holen.

[ Andreas Körner ]

Lesezeichen:

Ersten Kommentar schreiben zur Rezension oder zum Film




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.