D 2012, 98 min
FSK 12
Verleih: NFP

Genre: Tragikomödie

Darsteller: Wotan Wilke Möhring, Helen Woigk, Christine Schorn, Frederick Lau, Rosalie Thomas

Regie: André Erkau

Kinostart: 18.04.13

7 Bewertungen

Das Leben ist nichts für Feiglinge

Der Tod aber auch nicht

André Erkaus Film nach dem gleichnamigen Roman von Gernot Gricksch, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, ist, um es auf einen Begriff zu bringen, sehr unterhaltsam. Nun hat ja Unterhaltung keinen wirklich guten Ruf mehr, wirkt anrüchig und wird mit Banalität verwechselt, seit man über die Qualität des Fernsehprogramms streitet und die schlechten Chancen sperriger Filme im Kino. Da ist es immer die Unterhaltung, die den Anspruch verdrängt, und sie wird argumentativ gleichgesetzt mit Traumschiff-Berieselung, Volksmusik oder Filmen mit Titeln wie DIE SUPER-EX. Es gibt aber auch Unterhaltung, die schlicht gut gemacht ist. Weil sie zum Lachen und Weinen einlädt, kurzweilig ist und dem Zuschauer trotzdem nicht das Gefühl vermittelt, für dumm verkauft zu werden. Genau so einen Film haben Erkau und Gricksch auf die Beine gestellt. Und das muß man erst mal schaffen, mit einer Geschichte, die mit einer Beerdigung anfängt und mit einer endet.

Kims Mutter hat sich beim Schmücken des Kindergartens mit einer Girlande stranguliert. Diese Sinnlosigkeit ist kaum auszuhalten, und ihr Vater Markus versucht, seinen Schmerz im Alltagstrott zu ersticken. Kim, die sowieso schon eine Goth-Prinzessin in ihrer existentialistischen Phase ist, driftet immer mehr ab in ihre eigene Welt. Und Gerlinde, ihre Oma, bekommt ausgerechnet jetzt eine Krebsdiagnose gestellt.

Wo da der Unterhaltungswert liegt? Zunächst in den Details: Kims Handy gibt bei jedem Anruf monströse Geräusche von sich, und Paula, die Pflegerin, die Gerlinde zugeteilt wird, legt einen wunderbar überspannten Auftritt als hyperventilierende Möchtegernschauspielerin hin. Außerdem kann Kim unnützes Wissen im Detail rezitieren – also, wenn sie schon immer mal wissen wollten, wie das Opfer eines Pythons am schmerzfreiesten stirbt ... Grickschs Dialoge laufen immer auf eine gute, manchmal feinsinnige Pointe hinaus.

Überhaupt wurde die Handlung mit edler Nadel gestrickt, da sitzt jeder Handlungsfaden: Kim, die Außenseiterin, trifft auf den rüpelhaften Schulabrecher Alex, ein Junge aus gutem Hause, der – Kontrapunkt – seine Eltern haßt. Die beiden setzen sich nach Dänemark ab, um dort ein wenig ihre Liebe zu feiern. Der Rest der Familie eilt hinterher, und schon befinden wir uns im letzten Drittel in einem Familienroadmovie. Erkau inszeniert das, was für ihn Familie ist, mit der gesamten Partitur: mal schrill, mal laut und mal ganz leise, aber immer im besten Sinne. Unterhaltsam!

[ Susanne Schulz ]

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