D 2010, 87 min
FSK 12
Verleih: X Verleih

Genre: Komödie

Darsteller: Markus Hering, Meret Becker, Veronica Ferres, Yvonne Catterfeld, Gottfried John, Hans Hollmann, Justus von Dohnányi, Heino Ferch, Elke Sommer, Udo Kier

Stab:
Regie: Dani Levy
Drehbuch: Dani Levy

Kinostart: 26.08.10

1 Bewertung

Das Leben ist zu lang

... um an nichts anderes zu denken

Dani Levy, dem gebürtigen Schweizer mit Wohnsitz in Berlin, ist für den zackig inszenierten Coup ALLES AUF ZUCKER! 2005 der Ernst-Lubitsch-Preis verliehen worden. Eine überzeugende Wiederbelebung des deutsch-jüdischen Humors, hieß es dazu komischerweise, während der Rest des Publikums nicht mehr und nicht weniger als eine umwerfende Komödie gesehen hatte. Angesichts der mutwillig tabubrecherischen Hitler-Satire MEIN FÜHRER gab es später berechtigte Zweifel an Levys humoristischer Geschmackssicherheit, aber doch auch Erleichterung, daß diese krachlederne Albernheit in den jüdischen Wurzeln des Regisseurs Deckung fand. Jahve sei Dank – der Mann geht zum Lachen nicht in den Keller, hörte man die Kritiker aufatmen.

Aber wohin verschlägt es Levy, wenn er scherzen will? Hier zumindest führt er uns in ein riesiges Spiegelkabinett, das bei günstigem Licht wie ein Schrein für den ewigen Neurosenkavalier Woody Allen und meistens wie ein aus dem Rahmen wucherndes, überaus kokettes Selbstporträt anmutet. Von der Hornbrille bis zum jeder Mode spottenden Hemd, vom sensiblen Magen bis zu den flatternden Nerven ist die Hauptfigur Ausgeburt einer pathologischen Selbsthaßliebe nach Allen’schem Vorbild in Levy’scher Interpretation. Alfi Seliger, Filmregisseur mit verblassendem Ruhm, trägt ein „spannendes Projekt“ unter dem Herzen: das Drehbuch zu einer Satire auf den fast schon vergessenen Skandal um die Mohammed-Karikaturen. Derweil geht die Gattin fremd, den Kindern ist Vati bis auf die Knochen peinlich, und die Filmbranche verheizt das alternde „Talent“ in der nachmittäglichen Fernsehserienproduktion.

„Du kannst mich kreuzweise am Arsch lecken, Levy“, entfährt es Alfi, als er schließlich entdeckt, daß er nur Körperdouble im sicher turbulenten, aber kaum enden wollenden Selbstgespräch des oh so reflektierten Berufskollegen ist. Bis dahin hat sich eine ganze Riege deutscher Groß-, Klein- und Kleinstdarsteller in den Kulissen die Zeit vertrieben. Ferch macht in Darmspiegelung. Kier kölnert sich als Therapeut durch die weitläufigen Nebenstrecken dieser komödiantischen Sonderfahrt. Am Nachbartisch hockt Burghart Klaußner. Am Stehbüffet knabbert Joseph Vilsmaier.

Und wer das nicht aufregend und überhaupt nicht lustig findet? Der hat entweder keine Ahnung oder ist über die ermüdende Nabelschau schlichtweg eingeschlafen.

[ Sylvia Görke ]

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