D 2019, 92 min
FSK 12
Verleih: Camino

Genre: Drama

Darsteller: Christoph Bach, Maggie Valentina Salomon, Alwara Höfels

Regie: Steffen Weinert

Kinostart: 06.06.19

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Das Leben meiner Tochter

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Jana ist acht Jahre alt und krank, so krank, daß sie ein neues Herz braucht. Das allerdings ist in Deutschland quasi unmöglich, wie uns Regisseur Steffen Weinert in relativ nüchternem Ton erklärt. Selbst nach monatelangem Warten liegt Jana an eine Herzmaschine angeschlossen im Krankenhaus. Ihr Bewegungsradius ist extrem eingeschränkt, immer wieder schwebt sie in Lebensgefahr.

Laut der „Deutschen Stiftung Organtransplantation" sterben allein in Deutschland statistisch gesehen jeden Tag drei Menschen, die auf der Warteliste für eine Transplantation stehen, weil nicht rechtzeitig ein Spenderorgan gefunden wird. Und dennoch trifft der aktuelle Lösungsansatz von Gesundheitsminister Jens Spahn, daß wer nicht widerspricht oder keine Entscheidung trifft, automatisch spendet, auf harsche Kritik.

Janas Schicksal gießt neues Öl in diese Diskussion. Während das Mädchen beginnt, sich mit dem Tod zu beschäftigen, fällt es den Eltern viel schwerer, dem drohenden Ende in die Augen zu schauen, besser gesagt, dem Vater. Denn während Mutter Natalie eher gefaßt und reflektiert erscheint, will Paul nicht tatenlos zusehen. Dennoch drückt der Film keineswegs auf die Tränendrüse, was auch an der Machart liegen mag, die stark an einen „Tatort“ erinnert.

Nach einem emotionalen Auftakt entführt der Vater die eigene Tochter aus dem Krankenhaus, um mit ihr in Osteuropa ein neues Herz zu kaufen. Es beginnt eine Art Reise in den Organhandel benachbarter Länder. Die Machenschaften und Geschäfte dahinter aber sind so ungeheuerlich, daß das Leid der kleinen Jana am Ende fast in den Hintergrund rutscht. In Anbetracht der Tragweite der Geschichte ist das fast erleichternd, ist es doch kaum auszuhalten, ein Kind in dieser ausweglosen Situation zu wissen.

Obwohl der Film über keine ästhetische Strahlkraft verfügt, stellt er die wichtigen Fragen: Wieviel gebe ich von mir und meinem Körper auf, um anderen Menschen das Leben zu retten? Wieviel Nächstenliebe brauchen wir, damit die Entscheidung über Leben und Tod nicht in Niedriglohnländer ausgelagert wird? In 20 von 28 Ländern in der EU gilt eine Widerspruchsregelung. Bei uns wird weiter über jene Freiwilligkeit diskutiert, die gerne in Untätigkeit mündet. Denn obwohl ein Großteil der Bevölkerung spenden würde, verfügt nur ein Drittel über einen Organspendeausweis. Der Film könnte da neue Bewegung reinbringen.

[ Claudia Euen ]

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