D 2010, 120 min
FSK 16
Verleih: NFP

Genre: Literaturverfilmung, Drama

Darsteller: Ulrich Thomsen, Wotan Wilke Möhring, Katrin Sass, Burghart Klaußner, Sebastian Blomberg, Karoline Eichhorn, Claudia Michelsen, Jule Böwe

Regie: Baran Bo Odar

Kinostart: 19.08.10

6 Bewertungen

Das letzte Schweigen

Mord im Kornfeld

Wie erzählt man eine Geschichte über Pädophilie, die mit einem Mord an einem Kind anfängt? Ein heftiges Unterfangen, das Jan Costin Wagner in seinem Roman „Das Schweigen“ versucht und dabei grandios zwischen Täter- und Elternperspektive springt. Der Drehbuchautor und Regisseur Baran Bo Odar verlagert die Vorlage aus dem finnischen Turku in eine gesichtslose Vorstadtsiedlung in Deutschland. Hier verschwindet, dreiundzwanzig Jahre nachdem die 11jährige Pia in einem Kornfeld vergewaltigt und umgebracht wurde, ein weiteres Mädchen. Sinikka wird vermißt. Und die Suche der Polizei beginnt erneut. Denn der Täter wurde nie gefaßt.

Pias Mutter Elena, aber auch der damals ermittelnde Kommissar Krischan durchleben noch einmal das Unfaßbare, und Krischan beginnt trotz seiner Pensionierung mit eigenen Ermittlungen. Dann gibt es natürlich noch die verzweifelten Eltern von Sinnika. Aber auch Randfiguren des Films, wie die hochschwangere Polizistin Jana, verdichten das Konglomerat an unausgesprochenen Ängsten und aufgestauten Gefühlen, die wie eine riesige Dunstglocke über der Szenerie zu schweben scheinen. Auch Timo, ein Architekt, verheiratet, zwei Kinder, Haus und Pool, erfährt aus den Nachrichten von dem Verschwinden Sinikkas. Er weiß sofort, daß diese Tat eine Botschaft an ihn ist. Peer, sein ehemaliger Nachbar, hat sie geschickt. Timo und Peer teilen ein Geheimnis. Sie fühlen sich sexuell zu Kindern hingezogen und verbrachten ganze Nachmittage mit Pornos auf Peers Couch. Jetzt, zwanzig Jahre später, sitzt Timo wieder hier. Und erkennt, daß sein Leben auf einer Lüge basiert.

Baran Bo Odar weiß zu inszenieren, die schauspielerischen Leistungen sind durchweg passabel. Auch stimmen die Kameraeinstellungen, die Sets sind perfekt. Aber genau jener Perfektionismus ist es auch, der dem Plot bisweilen das Lebendige raubt. Nehmen wir die Wohnung von Peer. Die Kargheit, das seit Jahrzehnten Isolierte mag alles für seine Person, seinen Charakter stehen. Trotzdem wirkt es eher durchgestylt denn „desolat.“

Auch der unbedingte Drang, jede Szene filmisch oder dialogisch präzise aufzulösen, hat etwas von Erklärkino. Letztendlich weiß der Zuschauer ja von Anbeginn die Auflösung, erzählt wird der Weg dahin. Psychologisch gesehen ist das Thema an sich ja schon Kopfkino. Der Regie hat nur der Mut gefehlt, dieses auch mal gänzlich unkommentiert ablaufen zu lassen.

[ Susanne Schulz ]

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