Österreich 2012, 90 min
FSK 0
Verleih: Neue Visionen

Genre: Kinderfilm, Abenteuer

Darsteller: Enzo Gaier, Nataša Paunovic, Nora Tschirner, Andreas Kiendl

Stab:
Regie: Hüseyin Tabak
Drehbuch: Hüseyin Tabak

Kinostart: 19.09.13

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Das Pferd auf dem Balkon

Anderssein als Abenteuer

Mika, 10jähriger Bub, von seiner Mutter pädagogisch wertvoll „Querkopf“ gerufen, steht auf dem Schulhof und wird beim Versuch, einer Spinne das Leben zu retten, mal wieder allseitig angerempelt, rumgeschubst, ignoriert. Ein Außenseiter, klar. Warum, erklärt sich kurz danach – das Abendessen steht nicht pünktlich 19.17 Uhr auf dem Tisch, Mama schafft’s erst eine Minute später. Es folgt ein lautstarker Ausbruch des Jungen, denn Mika braucht jederzeit geregelte Abläufe, er ist Autist. Und manchmal ganz schön anstrengend. Da muß man moralisch korrekt und verschämt rotwangig nichts bemänteln, Letzteres bleibt nun mal ein Fakt.

Genau darin liegt tatsächlich die große Stärke des Films: Indem er genau das eben auch aufzeigt, gibt er schon kleinen Zuschauern die Chance zur Auseinandersetzung und letztlich echter Akzeptanz statt bloß erworbener Toleranz. Solche Betrachtungen aber temporär vergessen, entspinnt sich drumherum ein vollwertiges Abenteuer mit allem, was das junge Herz begehren kann, als Mika plötzlich auf dem Nachbarbalkon ein Pferd sichtet. Sascha, der unauffällige Mann von nebenan, hat das Tier gewonnen und weiß wenig damit anzufangen. Mika allerdings entwickelt sofort starke Bindungen zum Vierbeiner, denn für ihn sind Freunde Mangelware.

Aus dieser Ausgangslage zieht die Geschichte eine gewisse Portion geerdetes Märchen, unterfüttert durch schöne visuelle Ideen sowie oft gar etwas Spannung, weil Sascha tief im Schuldensumpf steckt und von zwielichtigen Gestalten erpreßt wird. Wohingegen Größere oder Eltern erfreut, daß Mika Erwachsenensprache stets wortwörtlich nimmt, was zu teilweise herrlich grotesken Auswirkungen führt, inklusive der interessanten Frage: Achten wir im Alltag auf unsere Kommunikation gegenüber beispielsweise den eigenen Kindern?

Es lohnt in jedem Fall, genauer hinzusehen. Über Nora Tschirners insgesamt doch etwas zu offensiven Auftritt als jederzeit beschützendes Muttertier hinweg, hin zu angedeuteter Altersliebe, den magischen Weisheiten unter manchmal dem Zuckerguß kaum mehr entrinnender Fassade oder einem beeindruckenden Nachwuchstalent als Mika. Und am Ende verbrennt zwar die Weihnachtsgans, doch wie unaufdringlich Regisseur Hüseyin Tabak solches Ungemach nutzt, um wie nebenbei gleich einen weiteren Aspekt menschlicher Nähe anzusprechen, hat bereits im September Geschenkqualität.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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