D 2011, 105 min
FSK 0
Verleih: Arsenal Institut

Genre: Experimentalfilm

Darsteller: Jakob Diehl, Natalie Krane, Christoph Bach

Regie: Rainer Kirberg

Kinostart: 07.03.13

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Das schlafende Mädchen

Ein Kunst-Film-Experiment

Düsseldorf in den frühen 70ern. Joseph Beuys ist Professor an der dortigen Kunstakademie. 1972 wird er gegen den Willen seiner Studenten entlassen. Regisseur Rainer Kirberg, Jahrgang 1954, kennt Zeit und Ort aus eigenem Erleben. Sein Film DAS SCHLAFENDE MÄDCHEN ist ein in Form und Inhalt ungewöhnliches Experiment, das die Kunsttheorie der damaligen Epoche verhandelt.

Zum Inhalt: Hans ist Kunststudent und Beuys-Schüler, sein ständiger Begleiter ist eine Videokamera. Mit seinem Freund Philipp philosophiert er über das Wesen der Kunst. Im Stadtpark begegnet er Ruth, von deren geheimnisvoller Ausstrahlung er fasziniert ist. Hans nimmt sie bei sich auf, muß jedoch bald erkennen, daß Ruth eigene Wege geht, die seinem Bild von ihr widersprechen. DAS SCHLAFENDE MÄDCHEN gibt sich als Videotagebuch von Hans, die Kamera zeigt seine Perspektive, außer, wenn Hans selbst vor die Kamera tritt. Der Film hat keine klassische narrativ-chronologische Struktur, vielmehr wirkt er wie eine Sammlung einzelner Performances. Zum Beispiel läßt sich Hans in einer Szene kopfüber eine Parkbank hinuntergleiten, in einer anderen werfen er und Ruth sich einen mit Glasscherben gespickten Ball zu.

Die Leistung der Darsteller, insbesondere von Jakob Diehl als Hans, trägt diesem Konzept Rechnung. Sie spielen nicht, sie performen. Hans wird Teil seiner Kunst, sein Körper ist für ihn das Instrument, um das Verhältnis von Bild, Raum, Ding und Mensch zu erkunden. Dieses permanente Suchen hat etwas Spielerisches und ist gleichzeitig durchdrungen von einem tiefen existentialistischen Ernst, der heute mitunter anachronistisch anmutet. Der in Schwarz-Weiß gedrehte Film wirkt in Ausstattung und Atmosphäre überaus authentisch. Er spielt virtuos mit der Fassade, ein Künstlerfilm aus den 70er-Jahren zu sein. Nichts in diesem Film ist zufällig. Kirberg füllt ihn mit Verweisen auf die Kunstdiskurse im Beuys-Umfeld. So benutzen die Pro-tagonisten immer wieder eine Hasenhandpuppe, die auf die Beuys-Aktion „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ von 1965 anspielt.

Allerdings ist DAS SCHLAFENDE MÄDCHEN kein Film explizit über Beuys. Der aufgeschlossene und konzentrierte Zuschauer wird Zeuge einer Versuchsanordnung, die aus heutiger Sicht nach der Wirkung des künstlerischen Umbruchs der damaligen Zeit fragt.

[ Dörthe Gromes ]

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