D/I 2018, 87 min
FSK 0
Verleih: Real Fiction

Genre: Dokumentation

Regie: Alexander Schiebel

Kinostart: 18.10.18

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Das Wunder von Mals

Widerstand auf dem Land

Der weiße Schaum weht weit über die Baumwipfel hinweg. Von oben sieht das beeindruckend aus, wenn die Transporter zwischen den fein säuberlich angeordneten Baumreihen hindurchsausen und weiße Wolken gen Himmel pusten. Fast ein Naturschauspiel, könnte man meinen, wenn man nicht wüßte, daß es sich um Gift handelt. Es sind Pestizide, die einige Bauern in dem kleinen Dörfchen Mals in Südtirol im großen Stil auf neu angelegten Apfelplantagen verteilen. So ist das nun mal mit konventioneller Landwirtschaft, könnte man sagen, aber die alteingesessenen Bauern, die seit Jahrtausenden in der Region ihre Felder bewirtschaften und bisher ganz ohne Pflanzenschutzmittel auskamen, sind ganz und gar nicht begeistert. Die Folge: Protest.

Diesen Widerstand bebildert Alexander Schiebel chronologisch und detailgetreu. Er befragt die Bio-Bauern, die zuerst Dächer über die Kräuterbeete bauten, um die Pflanzen, aber auch die Enkelkinder vor dem herunterrieselnden Gift zu schützen. Andere wiederum wissen nicht, wie es weitergehen soll, weil sie so hohe Schadstoffbelastungen in ihrem Viehfutter entdeckten. Schiebel trifft aber auch die Ehefrauen im Friseursalon, die erzählen, wie sie anfingen, Plakate zu drucken und Puppen zu bauen – bis die Öffentlichkeit mit aufsprang. Das gerät sogar witzig und unverkrampft. Und dann kommt die Mühle ins Mahlen. Zuerst sammeln Bürger Unterschriften und erwirken einen Bürgerentscheid, in dem sich 76 Prozent der Einwohner von Mals für ein Pestizidverbot aussprechen. Weil aber nach jedem Erfolg eine Niederlage folgt, und Bauernverband und Politik uneinsichtig bleiben, geht der Kampf weiter.

Es ist schön zu sehen, wie sich dieses kleine Dorf gegen die Zerstörung der Natur einsetzt. Schiebel zeigt Menschen, die sich nicht von Verordnungen unterkriegen lassen. Das macht Mut. Dabei konzentriert sich der Filmemacher ausschließlich auf die Seite der Geplagten. Die „konventionellen“ Bauern, aber auch die Politiker kommen nicht zu Wort. Aber was hätte die Gegenseite auch sagen können? Daß der Ertrag gespritzter Äpfel und Kirschen höher ist als bei einer Bio-Ernte? Das zu wissen, reicht nicht, um diese Art der Landwirtschaft zu tolerieren.

Anstrengend ist zuweilen die Almmusik, die den gesamten Film über im Hintergrund dudelt, den Plot zwar kokettiert, an anderen Stellen aber an den Nerven zerrt. Vielleicht hat Schiebel aber genau das gewollt? Denn im Film geht es nicht nur um Verbrechen, die der Mensch an der Natur begeht, sondern auf muntere Weise auch um „Was erlebt, wer Widerstand leistet?“

[ Claudia Euen ]

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