Originaltitel: SIB

Iran/F 1997, 85 min
Verleih: Kairos

Genre: Drama, Poesie

Darsteller: Massoumeh & Zahra Naderi

Regie: Samira Makhmalbaf

Kinostart: 24.02.00

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Der Apfel

Berührende, poetische Parabel über die Entdeckung der Freiheit

Durch einen Brief der Nachbarn wird das Sozialamt auf die Familie Naderi aufmerksam. Die blinde Mutter und der alte, gebrechliche Vater halten ihre elfjährigen Zwillingstöchter seit ihrer Geburt im Haus gefangen. Nicht einmal den kleinen Hof dürfen sie betreten. Nur das Fenster eines Nachbarhauses ist von ihrem Gefängnis aus zu sehen, nur die Stimmen von der Straße sind zu hören.

Gegen das Versprechen der Eltern, die Mädchen in Zukunft nicht mehr einzusperren, läßt man sie ihnen. Denn Kinder müssen vor allem zu Hause erzogen werden. Doch die Türen nach draußen bleiben weiter verschlossen.

Schließlich verschafft sich eine resolute Sozialarbeiterin Zutritt zum Haus der Naderis, schickt die Kinder zum Spielen auf die Straße - und sperrt die Eltern ein.

Für die beiden Mädchen scheint zum ersten Mal wirklich die Sonne, zum ersten Mal sprechen sie mit Kindern aus der Nachbarschaft, essen Eis und kaufen Äpfel. Hier, in der kleinen Freiheit eines Armenviertels in Teheran, wird die ganze Tragik ihrer "behüteten" Kindheit klar: Sie sind kaum fähig, sich zu verständigen, bewegen sich unbeholfen und ungelenk.

Während Zahra und Massoumeh die Welt entdecken, spricht die Sozialarbeiterin mit dem Vater. Der bettelt um Befreiung aus dem Gefängnis, das elf Jahre lang das Zuhause seiner Kinder war.

Diese fast unglaubliche Geschichte ist wirklich passiert und wurde durch eine Fernsehreportage öffentlich bekannt. So erfuhr auch die damals erst siebzehnjährige Regisseurin davon und schrieb gemeinsam mit ihrem Vater das Drehbuch. Schließlich konnte sie die Familie Naderi dazu überreden, ihre Geschichte selbst zu spielen.

Sicher trägt schon das dazu bei, daß die Figuren authentisch wirken, daß man ihnen ihre Geschichte abnimmt, obwohl sie so unglaublich ist. In ihrer Bildersprache hat Samira Makhmalbaf den Mut, sich von plattem Realismus zu entfernen. Poetisch schildert sie den Ausflug der Mädchen in die für sie fremde Welt, einfühlsam erfaßt sie das begrenzte Universum der Eltern.

[ Sylvia Görke ]

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