Originaltitel: MODRY TYGR

Tschechien/D 2011, 90 min
FSK 0
Verleih: Farbfilm

Genre: Kinderfilm, Poesie, Abenteuer

Darsteller: Linda Votrubová, Jakub Wunsch, Barbora Hrzánová, Jan Hartl

Regie: Petr Oukropec

Kinostart: 07.11.13

Noch keine Bewertung

Der blaue Tiger

... kommt auf leisen Pfoten

Woran es liegen mag, weiß ich nicht, aber die Tschechen beweisen seit Jahrzehnten ein sicheres Händchen für orginelle Kinderfilme, die sowohl kleinen als auch großen Zuschauern Spaß machen. So hebt sich auch DER BLAUE TIGER von Petr Oukropec wohltuend vom Quark aus überzuckerter Unterhaltung und rasantem Actiongewitter ab, der dem Nachwuchs einfach zu oft im Kino serviert wird.

Die 9jährige Johanna hat es oft nicht leicht. In der Schule ist das phantasiebegabte Mädchen eine Außenseiterin, und außerdem wird sie ständig von der Lehrerin Drachenfels schikaniert. Trotzdem ist sie kein Trauerkloß, schließlich lebt sie zusammen mit ihrer Mutter und ihrem besten Freund Mathias an einem sehr besonderen Ort: dem alten Botanischen Garten, der wie eine verwunschene Oase mitten in der betriebsamen Stadt liegt. Doch der Garten ist dem ehrgeizigen Bürgermeister Nörgel im Weg, der genau dort ein neues Stadtviertel aus Glas und Beton hochziehen lassen will. Plötzlich jedoch berichten immer mehr Menschen, daß sie in der Stadt einen blauen Tiger sahen. Ist er Bestie oder Zauberwesen? Warum verschwinden auf einmal so viele Hunde? Und wie kann es sein, daß der Botanische Garten von einem auf den anderen Tag eine nie gesehene Pflanzenpracht zeigt?

Johannas blühende Fantasiewelt wird mittels einfacher Animationen, die über die Filmbilder gelegt werden, zum Leben erweckt. Dabei gelingt es dem BLAUEN TIGER, mit leichter Hand ernste Themen wie Gentrifizierung oder den drohenden Verlust der Heimat mit kindgerechter Unterhaltung zu verbinden. Die Kinder sind lebendig, stark und glaubwürdig dargestellt, keine naseweisen Superkids. Dagegen wirken die Erwachsenen alle leicht überzeichnet und von liebenswerter Skurrilität. Etwa der knarzige Gärtner Blume, Mathias’ Vater, der ganz in seiner Pflanzenwelt aufgeht.

Mit besonderer Herzenswärme sticht Johannas Mutter hervor. Sie raucht wie ein Schlot und ist für ihre Tochter da, erspart ihr jedoch nicht den Boden der Realität: „Johanna, es wird nie alles gut sein. Es wird immer irgend etwas geben, das uns nicht gefällt. Hin und wieder können wir dagegen kämpfen, aber manchmal ist das Schlechte stärker, und wir verlieren irgend etwas. Zum Beispiel Geld oder Hausschuhe, Schlüssel und … Väter auch. Manche Leute verlieren noch viel mehr. Aber du gehst mir nicht verloren. Darauf kannst du dich verlassen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

[ Dörthe Gromes ]

Lesezeichen:

Ersten Kommentar schreiben zur Rezension oder zum Film




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.