Originaltitel: THE BOOKSHOP

Spanien/GB/D 2017, 110 min
FSK 0
Verleih: Capelight

Genre: Drama, Literaturverfilmung, Poesie

Darsteller: Emily Mortimer, Bill Nighy, Patricia Clarkson

Regie: Isabel Coixet

Kinostart: 10.05.18

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Der Buchladen der Florence Green

Atmosphärisches Schauspielerkino mit feinen Spitzen

Zwei Frauen treffen einander. An sich nix Atemstockendes, heißen die beiden Damen aber Florence Green und Violet Gamart, vibrieren Ahnungen von unterdrücktem Verlangen nach ausgekratzten Augen, gerupften Haaren und offen gezischten Boshaftigkeiten. Links also Florence, rotes Nicht-Wohlfühl-Kleid, und rechts Violet, gülden gestylt, wie eine Praline. Innen jedoch keinerlei Spur von Süße, Violets an Florence gerichtetes „In Fact I Hope To Help You …“ ist Kampfansage statt freundlichen Angebotes. Worum die Damen zanken? Schnell erklärt: Die zugezogene Florence hat ein seit Jahren verlassenes Haus zur Buchhandlung umfunktioniert, Violet, Despotin des schläfrigen Kaff-Biotops, entdeckt darob den bislang ungesehenen Nutzwert des Gemäuers als Kunstzentrum und macht fortan Stimmung gegen den Eindringling. Frischer Wind oder auch bloß ein laues Lüftchen könnten ja den viele Generationen lang hingebungsvoll gehegten Mief und Muff verwirbeln.

Isabel Coixet zeichnet da nicht nur doppelbödige Protagonistinnen: Florence, die eigentlich Schüchterne, kann bei Bedarf durchaus explodieren, und Violet, in ihrer Selbstüberschätzung kaum ernst zu nehmen, spinnt trotzdem akzeptiert die örtlichen Fäden. Coixet gelingt ebenso ein atmosphärisches Bild omnipräsenten Spießertums. Tratschweiber tauschen auf der Straße vermeintlich delikate Informationen, Konventionen und Prüderie gießen die Gemüter in Form (weswegen die Veröffentlichung von „Lolita“ natürlich zum Eklat führt), man beäugt Fremde mißtrauisch. Gerade Letzteres kommt bekannt vor, Coixets Inszenierung erhält, zusätzlich zum ewigen Hecheln dem eigenen Traum hinterher, so etwas Universelles, Unbestimmbares. Wunderbar rückgewandt hingegen Musik und Lieder aus Zeiten ohne Schimpfwortgestammel und Voice-Recorder-Rotation.

Drei Darsteller greifen die gebotenen Möglichkeiten dankbar auf: Zu Florence paßt Emily Mortimers nöliger Habitus ausgezeichnet. Patricia Clarkson betont Violets Zynismen süffisant-sadistisch an den fiesesten Stellen, gewährt eine erneute Kostprobe ihres unschlagbaren Talents, üble Zicken bar jeder Anmutung von Karikatur, dafür umso hinterlistiger zu mimen. Und schließlich Bill Nighy, wie fast gewohnt Inbegriff humaner Würde. Daß diese hier auf todtrauriger Contenance und einsamer Nichtzugehörigkeit fußt, trifft direkt ins Innerste.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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