Originaltitel: THE RECRUIT

USA 2003, 115 min
Verleih: Constantin

Genre: Action

Darsteller: Al Pacino, Colin Farrell, Bridget Moynahan

Regie: Roger Donaldson

Kinostart: 15.01.04

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Der Einsatz

Al Pacino and CIA proudly present

Nichts ist, wie es scheint. Natürlich. Denn der Zuschauer liebt ja nichts so sehr wie das blanke Verwirrspiel. Das scheint mittlerweile Common Sense bei Hollywoods Thrillerspezialisten zu sein. Da wird nicht mal mehr versucht, den Schein zu erwecken, als könnte es doch anders sein, als es scheint. Nur: Wenn es im Kino nie um etwas geht, warum geht man dann eigentlich noch hin? Wer es in der Hoffnung tut, endlich einen Blick hinter die undurchsichtigen Kulissen der CIA werfen zu können, wird jedenfalls enttäuscht. Wie sieht das Leben der Agenten wirklich aus? Was für Menschen sind das, diese Under-Cover-Leute? Dabei tut der Film zunächst noch so, als gäbe er handfeste Antworten. Er führt direkt ins CIA-Trainingslager, wo Walter Burke alias Al Pacino als Agenten-Scout und Ausbilder arbeitet. Er hat auch den jungen Software-Spezialisten James rekrutiert. Der weiß noch nicht so richtig, warum, erhofft sich aber von Burke Informationen über seinen verschollenen Vater.

Also, was wollen wir hier, fragt der Profi in diesem Fall. Und die Antwort: Wir glauben an das Gute und das Böse, und wir entscheiden uns für das Gute. Doch so einfach ist es natürlich nicht und Agent-Sein ein hartes Los. Man opfert sein Leben und was ist der Dank? Die Erfolge werden nie bekannt, die Fehlschläge immer. Am Ende ist der Agent ein namenloser Stern. Denn wem hätte er sich anvertrauen sollen? Als Beweis dafür baut der Film ein Szenario auf, in dem nie klar ist, wann die Trainingsphase endet und der wirkliche Einsatz beginnt. Burkes bester Schüler James, dessen einziger Fehler es ist, Burke zu sehr zu vertrauen, wird nach einer fingierten Folter mit echten Schmerzen aus dem Verein entlassen, um als ganz geheimer Inoffizieller die Doppelspionin Layla zu enttarnen. Spätestens jetzt ist klar, daß die CIA ein Verein ist, der permanent damit beschäftigt ist, sich selbst zu überwachen.

Dabei vergibt sich der Film seine größte Chance: die Liebe. Ein echtes Thema, das selbst Agentenherzen nicht kalt läßt. Denn im Trainingslager haben sich James und Layla verliebt. Wie gehen aber zwei verliebte Spione miteinander um, wenn sie gegeneinander eingesetzt werden? Eine spannende Frage, die auch Simmel nicht besser hätte stellen können. Aber zu menschlich. Deshalb wird sie ganz schnell wieder abgewählt, damit es bloß nicht zu lange dauert, bis es wieder anders scheint, als es schien. Thema verfehlt.

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

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