Originaltitel: THE EXORCISM OF EMILY ROSE

USA 2005, 120 min
Verleih: Sony

Genre: Drama, Horror

Darsteller: Laura Linney, Tom Wilkinson, Jennifer Carpenter

Regie: Scott Derrickson

Kinostart: 24.11.05

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Der Exorzismus von Emily Rose

Im Gerichtssaal ist der Teufel los

Pfarrer Richard Moore wird der fahrlässigen Tötung der 19jährigen Emily Rose angeklagt, doch er hält sich für unschuldig. Mehr noch, er bittet Strafverteidigerin Erin Bruner um die Chance, Emilys Geschichte mit der Welt zu teilen. Er wird berichten von ihren furchteinflößenden Visionen, von vergeblichen ärztlichen Bemühungen, ihr zu helfen und von unsichtbaren Kräften, die sich ihres Körpers bemächtigen. Und er wird vom Exorzismus erzählen, einem vom Vatikan gebilligten Ritual zur Austreibung von Dämonen, um welches Emily ihn bat und was schließlich zu ihrem furchtbaren Tod führte.

Erschütternder als jede Fiktion ist die Realität, und gleich zu Beginn mahnt die berüchtigte Texttafel: dieser Film beruht auf wahren Begebenheiten. Um so trauriger ist es, daß ihm der Fall der Anneliese Michel zugrunde liegt, der sich im Sommer des Jahres 1976 in Klingenberg zugetragen hat, mitten in Deutschland. Doch macht sich das Drehbuch zu DER EXORZISMUS VON EMILY ROSE keine Umstände, Licht in ein dunkles Kapitel der Auseinandersetzung zwischen Religion und Gesellschaft zu bringen. Die spannende Einführung, in welcher sich die ehrgeizige Erin Bruner des aussichtslosen Falles annimmt, führt maßlos in die Irre. Nicht mit einem Gerichtsdrama haben wir es hier zu tun, sondern mit flachem Horror. Viel Zeit und Aufwand beansprucht die Illustration von teuflischen Visionen. Emilys Mitmenschen blicken sie aus dämonisch verzerrten Gesichtern an, auf der Tonspur kracht es in einem fort, und dem Pfarrer erscheint gar Luzifer persönlich - hier geht es um Effekte, um schnelle Schauer. Die markerschütternden Austreibungsszenen mit Verrenkungen und rollenden Augen fordern von Hauptdarstellerin Carpenter eher Akrobatik als Schauspiel. Mit der unbeirrbaren Sympathie für die Figur des Pfarrer Moore, der den Tod einer jungen Frau verursachte, untergräbt der Film den letzten Rest seiner Glaubwürdigkeit.

In Zeiten, wo Glauben zunehmend dem Aberglauben weicht und viele Menschen an psychische und moralische Grenzen stoßen, mag dieser Mix aus DER EXORZIST und ANGEKLAGT auf fruchtbaren Boden fallen, bedeutend oder gar hilfreich ist er aber nicht. Nur einmal dringen wahre Worte durch den Exorzismus-Zirkus, wenn Moore meint: "Wer einmal in den Abgrund geblickt hat, der trägt ihn sein Leben lang in sich."

[ Roman Klink ]

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