Originaltitel: CARNAGE

D/F/Polen 2011, 79 min
FSK 12
Verleih: Constantin

Genre: Tragikomödie

Darsteller: Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz, John C. Reilly

Regie: Roman Polanski

Kinostart: 24.11.11

18 Bewertungen

Der Gott des Gemetzels

Polanskis giftiges Kammerspiel voller Witz, Bosheit und Tragik

An Theatern ist der Trend zu beobachten, daß immer mehr Filmstoffe für die Bühne adaptiert werden. Roman Polanski verfährt in seinem neuen Film umgekehrt und holt den Stoff der Französin Yasmina Reza „Der Gott des Gemetzels“ auf die Leinwand. Reza ist eine der weltweit bekanntesten zeitgenössischen Dramatikerinnen, zusammen mit Polanski verfaßte sie auch das Drehbuch zum Film.

Bis auf die erste und die letzte Szene spielt der ganze Film in einer Wohnung, analog zu einer Theateraufführung wurde in Echtzeit gedreht, die Schauspieler mußten zuvor das gesamte Drehbuch auswendig lernen. Keine Sorge, bei Polanski wirkt das nie wie abgefilmtes Theater, vielmehr erzeugt seine Regie eine besondere filmische Dichte und Konzentration.

Zur Handlung: Zwei gutsituierte Mittelstands-Ehepaare – Nancy und Alan Cowan sowie Penelope und Michael Longstreet – treffen sich in der Wohnung der Longstreets, um eine Prügelei ihrer zwei elfjährigen Söhne zu klären. Alle bemühen sich angestrengt, die Rolle der verantwortungsbewußten und verständnisvollen Eltern zu spielen. Doch für die Protagonisten tragisch und dem Zuschauer zum Vergnügen gelingt es den Vieren nicht, ihre eingeübte Zivilisationsfassade aufrecht zu halten. Nach und nach entgleisen sie, verlieren ihre Masken und alle Verhältnismäßigkeit.

Eine solche Konstellation kann sehr leicht ins Klamaukhafte kippen, es ist wohl vor allem dem großartigen Darstellerquartett zu verdanken, daß der Film dies nicht tut. So enthüllen die Schauspieler in ihrem punktgenauen Spiel die Tragik ihrer Figuren, die der ausgestellten Situationskomik zugrunde liegt. Sie alle scheitern an dem Bild, das sie sich von sich selbst, ihrem Partner und ihrem Leben gemacht haben, und das ihnen doch nicht passen will wie ein zu großes Paar Schuhe.

Der Film lebt besonders von den herrlich giftigen Wortwechseln, die sich die Protagonisten ständig um die Ohren hauen. So zum Beispiel zwischen dem von Christoph Waltz lakonisch heruntergespielten, abgebrühten Anwalt Alan Cowan und der gutmenschelnden Penelope Longstreet, deren doppelbödige Biestigkeit von Jodie Foster genial verkörpert wird.

[ Dörthe Gromes ]

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