Originaltitel: THE GRINCH

USA/China 2018, 82 min
FSK 0
Verleih: Universal

Genre: Computeranimation, Abenteuer, Kinderfilm

Stab:
Regie: Scott Mosier, Yarrow Cheney
Stimmen: Otto Waalkes

Kinostart: 29.11.18

Noch keine Bewertung

Der Grinch

Nicht nur schlecht für die Zähne: zu viel Zucker

Um sich an diesem Film zu laben, muß man starke Nerven haben. Auf ungefähr solchem Knüttelvers-Niveau reimt der Off-Sprecher, wild entschlossen und nervig dauerhaft, vor sich hin und definiert so einen akustischen Brennpunktgrund, weswegen wir Drahtseilsynapsen empfehlen möchten. Der andere heißt mal wieder Otto – genau, der Waalkes – und spricht den Grinch, erwartungsgemäß grenzdeppert und gefühlt rotäugig. Was ICE AGE-Sid ganz okay stand, den haarigen Fiesling indes zur unfreiwilligen Lachnummer degradiert.

Dazu unsererseits weiterhin der mahnende Fingerzeig auf drohenden Augensuperkrampf, welcher beim Besuch der hiesigen Tollerei (ohne viel Jux) außerdem eine Sonnenbrille erwägen läßt: Kinners, hier gleißt’s und funkelt’s echt penetrant! Feiertagskitsch extrem, als wäre der 1-Euro-Laden ums Eck im Saal explodiert. Das weckt automatisch sogar beim entspanntesten Bärchengemüt Weihnachtshaß – Auftritt Grinch. Der würde Lebkuchen und Lichterketten samt dicker Männer in roter Kluft auch am liebsten auf den kargen Mond schießen. Leider keine tragfähige Option, daher greift Plan B und regt an, einfach Weihnachten zu stehlen ...

Sinnvoll und logisch, daher allerbeste Kinderbespaßung, die nur Dr. Seuss erfinden konnte, jener geistige Farbkleckser, dessen auf Leinwandmaß aufgepumpte Gedankenqualen EIN KATER MACHT THEATER und DER LORAX hierzulande bereits ein beachtliches Publikum erreichten und im erwachsenen Fall oft nachhaltig verstörten. Abgesehen vom Glitzer-Overkill, ist das hier nun nicht wirklich zu befürchten. Das zur guten Nachricht. Zur schlechten: Oben erwähnte auditive Herausforderungen kamen in Begleitung, es braucht ein gerüttelt Maß Geduld, die aufgerissen gähnende Erzählungsleere zu ertragen.

Selbige stellt dem – klar! – eigentlich doch super netten, lediglich traumatisierten Grinch ein – logisch! – altkluges Kind zur Seite, dessen – es lag nahe! – alleinerziehende Dreifach-Megamutti vor Nachtschicht-Streß zwar kaum aus den Augen blinzelt, aber trotzdem Totalruhe und Jederzeitverständnis mixt. Gemeinsam, so will’s natürlich die spaßbremsende Moral, wuppt man’s. Alles. Da kann der nominelle Giftzwerg im seltenen Anflug komödiantischer Treffsicherheit nicht bloß seinen getreuen Köter mittels pinkfarbener Unterhose schocken: Insgesamt klebt die Familienlobhudelei richtig böse, wie eine angelutschte Zuckerstange.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

Lesezeichen:

Der Grinch ab heute im Kino in Leipzig

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