D/F/Polen 2017, 119 min
FSK 16
Verleih: Weltkino

Genre: Drama, Historie

Darsteller: Max Hubacher, Milan Peschel, Frederick Lau, Samuel Finzi

Regie: Robert Schwentke

Kinostart: 15.03.18

9 Bewertungen

Der Hauptmann

Eine Geschichte vom Wahnsinn

Ein fröhliches Halali steht zu Beginn. Fröhlich? Aber ja doch. Eine Parforcejagd ist zu sehen, und die ist die große Gaudi, das erkennt man sofort. Nur, daß die Hunde im Jeep sitzen, Uniformen und Maschinenpistolen tragen und mit einiger Lust an der Sache diesem Gefreiten Herold nachsetzen, der da vor ihnen um sein Leben rennt. Ein Deserteur, dieser Herold, und die Hunde, das sind diese sprichwörtlichen „Hunde des Krieges“, sehr deutsch, sehr tollwütig und scharf darauf, Deserteure zu zerfleischen. Gerade jetzt, im April 1945, wo doch eigentlich selbst dem blödesten Hund klar sein dürfte, daß es das war mit dem Endsieg für die Herrenrasse.

Es ist nicht uninteressant, daß sich nach seiner ja wahrlich nicht ganz erfolglosen Zeit im Mainstream-Hollywood-Kino der Regisseur Robert Schwentke mit seinem ersten deutschen Film seit 2003 (EIERDIEBE) einem Sujet und auch einem Erzählstil zuwendet, die für ihn ganz und gar untypisch scheinen. Ist DER HAUPTMANN doch ein rigoroser Blick in strengem Schwarzweiß auf den Menschen jenseits dessen, was seltsamerweise gemeinhin „Menschlichkeit“ genannt wird.

Seinen Jägern, er entkommt ihnen wie durch ein Wunder, der Herold. Ein weiteres Wunder folgt. Auf einem verlassenen Weg stößt der Jungspund auf einen Jeep und darin auf die Uniform eines Luftwaffengenerals, die geradezu wie angegossen paßt. Herold hüllt sich in diese Uniform und in die Autorität, die sie gibt. Bald schon hat er Männer an seiner Seite, die sich dieser Autorität fügen. Und der, der eben noch ums nackte Leben rannte, entpuppt sich als einer, dem das Leben der anderen keinen Pfifferling wert ist.

Schwentkes Film ist die sardonische Umstülpung eines bekannten Motivs: Der einst pfiffig-menschliche Hochstapler à la Hauptmann von Köpenick erfährt hier eine Art nationalsozialistisches Update, frei nach wahren Begebenheiten. Herold entpuppt sich als Prachtexemplar des moralisch Ausgehöhlten. Einer, der Blut leckt – und Geschmack daran findet, bis hin zum Blutrausch todbringenden Wahnsinns in pathologischer Selbstherrlichkeit. Zu zeigen, daß Herold genau darin nur ein Kind seiner Zeit ist, gerät dabei zwar mitunter zu prätentiös, den verstörenden Stachel, den der Film zu setzen mag, stumpft das indes nicht ab. Auch, weil Schwentke es nicht versäumt, in die Gesichter der Opfer dieses Wahnsinns zu blicken. Und es sind dann genau diese Gesichter, die man hier nicht so schnell vergessen wird.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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