D 2011, 83 min
FSK 6
Verleih: Filmgalerie 451

Genre: Drama

Darsteller: Florian Panzner, Anne Kanis, Sven Gielnik

Regie: Elke Hauck

Kinostart: 22.03.12

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Der Preis

Von Abriß, Schuld und Erinnerung

Eigentlich ist die Zeit längst überreif, um die DDR in Geschichten der Menschen zu reflektieren. Weg von Stereotypen, hin zu dem, was wirklich zählte. Und zählt. Es geht also vor allem auch um das Bewahren von Erinnerungen. Regisseurin Elke Hauck und Autorin Peggy Lehmann – beide ostdeutsch sozialisiert – haben eine solche gemeinsame Story gefunden. Obwohl ausgedacht, könnte sie so oder ähnlich an jeder Ecke des vergangenen Landes geschehen sein. Und genau daraus bezieht sie für das Kino ihre Stärke.

Wieder eine Wiederkehr. Alexander, Ende 30 und Architekt, kommt aus Frankfurt/Main in seine – hier namenlose – thüringische Kleinstadt zurück. Es scheint zunächst vordergründig die Arbeit zu sein, die ihn treibt, ein Preis, den er gewann, um Plattenbauten ansehnlich zu machen. Für die Figur und den Film aber ist es bestenfalls eine Krücke, denn Alex schleppt nicht nur schöne Gedanken an Vergangenes mit sich herum, seit er vor 20 Jahren wegging. Unverrichteter Dinge.

Da war eine dicke Freundschaft mit Michael, eine Liebe mit dessen Schwester Nicole. Da war aber auch das Suchen nach einem eigenen Platz im System, dort, wo es essentiell in Biographien eingegriffen hat. Alexander trifft einige der Hiergebliebenen noch an. Die, die nicht rausgekommen sind aus dem Kaff, nicht konnten, nicht wollten. Den Job vor Ort erledigt Alex routiniert, ohne großes Engagement. Klar und klarer wird allerdings, daß ihm der Brocken der Vorwendezeit noch im Hals sitzt, die Sache mit Michael, den er verraten, Nicole, die er verloren hat. Gerade die Begegnung mit ihr atmet schwer am Schmerz alter Tage. Und es wird nicht besser mit einem Tag am See, einer Umarmung, einem Bekenntnis.

DER PREIS verzichtet auf die große Geste, die harsche Wendung, erzählt lieber in einem stringenten Fluß aus Rückblenden und Schwenks auf die Gegenwart zurückhaltend von Wunden, Schuld und Erinnern. Daß dabei Kühle und Distanz große Emotionen verhindern, erschwert ohne Zweifel den Zugang, verweist aber auf eine nachdrückliche Ehrlichkeit. Regisseurin Elke Hauck, geboren in Riesa, ist schon bei ihrem Debüt KARGER (2007) einen ähnlichen Weg gegangen. Mit großen Illusionen hält sie sich gar nicht erst nicht auf.

[ Andreas Körner ]

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