D 2016, 98 min
FSK 12
Verleih: Piffl

Genre: Drama, Mystery

Darsteller: Miriam Jakob, Thorbjörn Björnsson

Regie: Angela Schanelec

Kinostart: 27.04.17

Noch keine Bewertung

Der traumhafte Weg

Viel Raum fürs Ungesagte

Mitunter drängt sich der Eindruck auf, die deutsche Filmlandschaft sei zweigeteilt: Auf der einen Seite entstehen Filme, in denen jede kleinste Gefühlsregung verbalisiert wird. Demgegenüber stehen die Werke, in denen so gut wie überhaupt nicht geredet wird. Angela Schanelecs DER TRAUMHAFTE WEG gehört zur letzteren Kategorie. Wenn ihre Figuren überhaupt miteinander reden, sind es belanglose Alltäglichkeiten. Das Ungesagte nimmt einen großen Raum zwischen ihnen ein. Die Regisseurin, die auch an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg lehrt, wird zur sogenannten Berliner Schule gezählt. Damit ist ohnehin klar, daß hier kein Film geschwätziger Machart zu erwarten ist.

In skizzenhaften Szenen und langen, also sehr langen und dabei sorgfältig komponierten Einstellungen wird die Geschichte des jungen Paares Kenneth und Theres erzählt. Er ist Brite, sie Deutsche. Ihren Griechenlandurlaub im Sommer 1984 finanzieren sie, indem sie mit wundervoll harmonierenden Stimmen auf der Straße singen. Die Beziehung zerbricht, als Kenneth abrupt nach England zurückkehrt, weil seine Mutter einen schweren Unfall hatte. Zwar begegnen sie sich noch einmal kurz in Deutschland, aber ihre Lebenswege trennen sich. Dann erfolgt ein abrupter Orts- und Zeitsprung. Wir befinden uns im Berlin der Gegenwart. Die Ehe der Schauspielerin Ariane zerbricht. Das Paar hat eine zehnjährige Tochter. Kenneth lebt mittlerweile als Obdachloser in Berlin. Auch Theres, die Mutter eines erwachsenen Sohnes ist, hat es in die Stadt verschlagen. Die Wege der zwei Paare kreuzen sich mehrmals unbewußt. 

Durchaus merkwürdig mutet an, daß Theres und Kenneth in 30 Jahren kaum gealtert sind und noch immer dieselbe Kleidung wie im Griechenlandurlaub tragen. Kunstgriff? Vielleicht. Die Darsteller Miriam Jakob und Thorbjörn Björnsson sind keine Schauspieler, sondern Tänzerin und Musiker. Ihre Darbietung hat schon daher etwas Performanceartiges und ist von keinerlei Soundtrack unterlegt. Nur einmal wird dieses Konzept kurz durchbrochen. Insgesamt wirkt der Film schon in hohem Maße durchdacht, aber doch auch sehr artifiziell und spröde. 

Dadurch macht er es dem Zuschauer nicht leicht, einen emotionalen Zugang zu der Geschichte und den Figuren zu finden. Wirklich berührend ist erst ein Bild ganz am Schluß: Ein einzelner Schuh auf einem regennassen Bahnsteig – eine der Figuren hat sich vor den Zug geworfen.

[ Dörthe Gromes ]

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