D 2014, 113 min
FSK 12
Verleih: vorwaertsfilm

Genre: Drama, Krimi

Darsteller: David Emig, Franziska Troegner, Matthias Freihof, Walfriede Schmitt, Winnie Böwe

Regie: Matthias Kubusch, Robert von Wroblewsky

Kinostart: 10.04.14

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Der Tropfen

Arme Thüringer Wurst

Das alles sieht sich an wie eine Hans-im-Pech-Geschichte. Oder wie die nächste Von-einem-der-auszog-Variation. DER TROPFEN ist ein Film der Gattung „Auch das gibt’s.“ Gewagt im Mix aus Märchen, Drama, Thriller, finanziert mit Crowdfunding-Geldern, klein herausgebracht, gedreht mit vielen namhaften, einst ostdeutschen Schauspielern, basierend auf dem spürbaren Willen zweier Regisseure, nicht in die Wehleidigkeitsfalle deutsch-deutschen Befindens im Kino zu geraten. Die Idee des Abwegigen ist gut, die Umsetzung ein wenig glücklos wie der Held.

Einer wie Rainer. Frotzeleien mit dem Namen muß sich der Pizzabote in seinem thüringischen Nest zur Genüge anhören, und er hat sie satt. Wie fast alles um sich herum: die demente Mutter, seine Simson, der mal wieder der Krümmer abgefallen ist, den eigenen Frust. „Mach’ das ja ordentlich“, mahnt Mutter, als sie Rainer beim Löten und Schrauben über die Schulter schaut. Als sie noch klar war im Kopf, hat sie es ihrem Jungen wohl genauso gesagt. Der bastelt jetzt an einem Gestrüpp aus Drähten, das ziemlich eindeutig an eine Bombe erinnert. Wenn er sich von Steinach aus über verschneite Straßen Richtung Berlin, Brandenburger Tor, aufmachen wird, ist dieser Bausatz in der Pizza-box seines Mopeds. Rainer, Rainer, guten Weg!

Er besucht zunächst Menschen seiner Vergangenheit. Den Vater, ein Ex-Funktionär auf Hartz IV. Den Schulkumpel, ein Schleimer auf Anlageberater-Droge. Die einstige Freundin, mit der er Udo Lindenberg teilte. Rainer wird halb erfroren von einer Naumburger Nonne aufgelesen und hätte sich fast an die Obhut Gottes gewöhnen können, wäre nicht auch dem Mund des Pfarrers das böse Wort „Arbeitsagentur“ entglitten. In Leipzig trifft er auf einen sächselnden Schwarzen, der ihm das fehlende Teil für die Bombe besorgt und es noch auf Rainers Teil abgesehen hat. Kurz vor dem Ziel scheint dem jungen Mann so etwas wie Liebe in die Quere zu kommen, und die kann bekanntlich Berge versetzen. Es sei denn, man hat sie nur geträumt.

Rainer ist wirklich eine arme Thüringer Wurst. Ein bißchen blutig wie die Rache, die er lebt. Ein bißchen zu verschlafen dafür. Ist er DER TROPFEN, der das Faß zum Überlaufen bringt oder nur jener auf den heißen Stein? Und der Film? Ihm fehlt für zwingende Resonanz vor allem Konsequenz – in Schwärze, Timing, Kraft. Worte aber, die fehlen nicht.

[ Andreas Körner ]

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