Originaltitel: QUO VADO?

I 2016, 86 min
FSK 6
Verleih: Weltkino

Genre: Komödie

Darsteller: Checco Zalone, Eleonora Giovanardi, Sonia Bergamasco, Maurizio Micheli, Lino Banfi

Regie: Gennaro Nunziante

Kinostart: 22.09.16

3 Bewertungen

Der Vollposten

Beamte im Clinch – eine launige Sache

Bevor ausgewählte Leser jetzt wild anfangen zu kichern und ihren Zeigefinger anklagend auf uns richten: Nein, da oben steckt kein Rechtschreibfehler drin. Es fehlt kein F. Dumm ist er nämlich auf keinen Fall, unser Protagonist Checco, sondern Beamter in der Landesverwaltung für Jagd und Fischerei. Eine sichere Stelle, die alles mit sich bringt: wenig Arbeit, viele generös akzeptierte Bestechungsversuche, eine prallbrüstige, schlecht blondierte Dauerfreundin, deren Heiratsgier allerdings eher dem Wunsch nach finanzieller Absicherung denn Zuneigung entspringt.

Checco kann ergo kaum klagen – bis öffentliche Reformen seinen Job ins Wanken bringen, Kündigung oder Versetzung heißen die beiden Wahlmöglichkeiten. Checcos Entscheidung ist klar, der Staat fährt indes grobe Geschütze auf, namentlich Dottoressa Sironi, eine eiskalte Erscheinung, deren Strategie darin liegt, den Widerspenstigen fortan um die Welt zu scheuchen. Wer hat mehr Ausdauer, Checco oder Sironi?

Während die große Schlacht ausbricht, Checco von seiner – wie eine köstlich bekloppte Szene zeigt – sklavisch hingebungsvollen Mama unterstützt wird, und Sironi zunehmend zerrüttet mit Rückendeckung des Ministeriums kämpft, gibt Bastian Pastewka in synchronsprechender Funktion seinem Affen gleich eine heftige Überdosis Zucker. Steilvorlagen locken dafür ja wirklich genug, keine Randgruppe wird politisch korrekt verschont, sogar aus Suizid formt das gaggewaltige Drehbuch einen nachtschwarzen und irre lustigen Dialog, ganz logisch dienen auch aktuelle Themen à la Flüchtlingswelle als Lieferanten pointierter Bissigkeiten. Das Kunststück, dabei trotzdem nie bösartig oder verletzend abzugleiten, gilt es nachzumachen.

Der Verzicht auf klebrige Moral hat hier einfach Methode und mit Checco zwar kein übermäßig attraktives Gesicht, aber hohe Durchschlagskraft, man muß diesen sympathischen Widerling heftig mögen. Sogar (oder vielleicht gerade?) dann, wenn’s zwischendrin rüder zugeht, und das brachiale Humorniveau Feinsinn klar zum Feindbild erklärt. Benötigtes Eisbärsperma liegt halt nicht an jeder Ecke rum ... Schließlich führt das Tierprodukt indirekt noch dazu, daß Checco ungeahnte Gefühle entdeckt, und man fragt sich: Möchte die filmgewordene gigantische Klappe eventuell bloß richtig hartkerlig das insgesamt doch am rechten Fleck befindliche Herz verdecken?

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

Lesezeichen:

Ersten Kommentar schreiben zur Rezension oder zum Film




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.