Originaltitel: DESTROYER

USA 2018, 123 min
FSK 12
Verleih: Concorde

Genre: Action, Drama, Thriller

Darsteller: Nicole Kidman, Toby Kebbell

Regie: Karyn Kusama

Kinostart: 14.03.19

11 Bewertungen

Destroyer

Eine Frau sieht rot

Keine Frage, die Dame hatte schon bessere Tage. Obwohl die sehr lange her sein müssen – zu schleppend ihr Gang, zu tief die Furchen im Gesicht, dazu das stumpfe Haar, der müde Blick, alles tut weh ... Aber die Instinkte, die funktionieren noch sehr gut, auch und gerade dann, als Post ins Büro der Polizistin Erin Bell flattert, die unmißverständlich ist: Silas Is Back! Der Dreckskerl also, an dessen Seite sie als Undercover-Agentin einen Banküberfall verpatzte, bei dem sie ihren Kollegen und Geliebten verlor. Silas ist der skrupellose Typ, der mit unfaßbarer Kaltblütigkeit in die Bank zurückkehrte und durchlud, weil die Schalterdame eben doch gelogen hatte, was den Einsatz von Farbpäckchen in den Geldsäcken betraf. All das liegt 17 Jahre zurück, Erin trug da bereits das Kind im Bauch, zu dessen Erziehung sie kaum imstande war, weshalb ihre Tochter ihr heftig entglitt und viel zu früh mit den definitiv falschen Typen abhing. Erin hat also einiges gutzumachen, und diese angeschossene Frau fährt zu Hochtouren auf, weil es nicht nur um Rache geht – sie muß nach verhunztem Doppelspiel auch eigene Sünden sühnen.

So geht Kino! Erwachsen, intelligent, hochspannend, dazu ein gut geschriebenes, fintenreiches Drehbuch und mit einer umwerfend aufspielenden, geradezu furchtlosen Hauptdarstellerin. Wenn Nicole Kidman die MPi umschnallt, das Sturmgewehr durchlädt, dann sieht das eben nicht aus wie eine waffenschulternde Schauspielerin, es wirkt eher so, als mache die Gute den ganzen Tag nichts anderes! Wenn Kidmans Antiheldin sich vor Schmerzen krümmt, sich gegen brutalste Tritte und Schläge ihrer Widersacher wehren muß, dann geht das in seiner Echtheit durch Mark und Bein. Ihre Erin Bell ist sich selbst derart egal, daß sie nicht nur manchen Ekel überwinden wird, um an Silas ranzukommen, diese Rücksichtslosigkeit sich gegenüber verleiht ihr erst die Härte, um nicht lange zu fackeln.

In klug montierten Rückblenden wird von der Chronologie einer Katastrophe erzählt, angesiedelt in einem Los Angeles, das sich dreckig und roh darstellt, und in dem selbst die sonnenverwöhnten Palmen hoffnungslos aussehen. DESTROYER erinnert in Duktus und Rhythmus auch an das großartige Kino des New Hollywood mit einem ordentlichen Noir-Anstrich – kein inszenatorischer Schnickschnack, auf den Punkt geschrieben und eben diese Kompromißlosigkeit in der Zeichnung wahrlich gebrochener Typen.

Noch einmal zu Nicole Kidman, die sich über die Jahre, über interessante, oft kantige und in jedem Fall mutige Rollen zu einer der besten Schauspielerinnen unserer Zeit gemausert hat. Diese Frau kann scheinbar alles spielen, und wenn sie dann ihre einsame Wölfin Erin in einer bewegenden Szene sagen läßt „I AM NOT GOOD!“, kann es unsererseits nur „Einspruch!“ heißen.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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