D 2009, 151 min
FSK 12
Verleih: Piffl

Genre: Kurzfilm, Episodenfilm, Polit

Regie: Fatih Akin, Wolfgang Becker, Sylke ­Enders, Dominik Graf, Christoph Hochhäusler, Romuald Karmakar, Nicolette Krebitz, Dani Levy, Angela Schanelec, Hans Steinbichler, Isabelle Stever, Tom Tykwer, Hans Weingartner

Kinostart: 26.03.09

6 Bewertungen

Deutschland 09

Verloren in der Vielfalt

Sie sind 13 an der Zahl. Die deutschen Filmregisseure, die sich zum Panoramafilm DEUTSCHLAND 09 zusammengefunden haben. Jeder stellt in einem Kurzfilm seine angeblich persönliche Sichtweise zur Lage der Nation vor. Sie hätten auch 10 sein können oder 15. Es spielt keine Rolle. Mehr noch: Man hätte sie sogar durch andere 13 Regisseure ersetzen können.

Daß man sich dabei auf DEUTSCHLAND IM HERBST beruft, ist schon kurios. Alles in allem ist DEUTSCHLAND 09 das komplette Gegenteil. Das filmische Vorbild stellte 1977 eine spontane, mediale Reaktion auf zwei aktuelle Ereignisse dar: die Ermordung Hanns Martin Schleyers und die Terroristenselbstmorde in Stammheim. Ein größtenteils dokumentarischer Konzeptfilm mit einem Redakteur (Alexander Kluge), bei dem alle Stränge zusammenliefen. In einem Interview erklärte Volker Schlöndorff, man habe sich gegen die Vielfalt und Gleichwertigkeit der einzelnen Beiträge entschieden, weil das Ergebnis nur hätte sein können, daß man die Kurzfilme untereinander vergleicht: Dieser ist besser gelungen als jener. Dieser beschäftigt sich damit, jener mit etwas anderem. Genau das ist nun mit DEUTSCHLAND 09 eingetreten.

Tom Tykwer begleitet einen Managertypen durch die ganze Welt und stellt fest, daß es überall gleich aussieht. Sylke Enders erinnert daran, daß es soziale Unterschiede gibt. Nicolette Krebitz hängt einer unausgegorenen Teenager-Phantasie nach: treffen sich Susan Sontag und Ulrike Meinhof ... Hans Weingartner seziert an einem Beispiel den heutigen Überwachungsstaat. Und so weiter. Ist das ein Panorama? Schon irgendwie. Aber es hätte auch noch andere Themen gegeben. Ostdeutschland ist zum Beispiel kein Thema – oder kein Thema mehr? Auch die Provinz kommt nicht vor. Die Bundesrepublik heute, das ist offenbar Berlin. Oder wohnen da vielleicht nur die Regisseure? Und ist es persönlich? Steht einer der Filmemacher nackt da, wie Fassbinder 1977 im wahrsten Sinne des Wortes? Nun, Dany Levi legt sich immerhin selbstironisch als notorischer Schwarzseher auf die Couch. Geschützt allerdings durch eine durchaus gelungene parodistische Inszenierung.

Wir leben also heute in vielen parallelen Wirklichkeiten, die uns alle nicht mehr wirklich nahe kommen. Darüber läßt sich nach dem Kinobesuch natürlich trefflich streiten. Aber ob uns das in 30 Jahren auch noch interessiert?

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

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