D 2004, 83 min
Verleih: Kinowelt

Genre: Dokumentation, Episodenfilm, Erotik

Regie: Robert von Ackeren

Kinostart: 21.06.07

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Deutschland privat – Im Land der bunten Träume

Schnipselarbeit als Blick durchs Schlüsselloch

Das Leben ist kein Ponyhof und nicht jedes Pferd heißt Wendy ... Dieser altgediente Spruch, quasi ernüchternder Wegweiser fort von verschönernder Kinoillusion und hin zur orangenhäutigen Bodenhaftung, greift hier ziemlich oft, wenn man sich durch das neuerliche Sammelsurium privater Super-8-Filmchen schaut, die von Ackeren, der Sammler, bereits Ende der 70er per Zeitungsannonce akquirierte, um sie dann als von Ackeren, der Filmemacher, in manchmal recht unmotivierter Anordnung quasi als Innenansicht deutscher Befindlichkeiten zu vertickern. Moralapostel werden "Porno" rufen, was gehöriger Quark ist, da Pornos meist ästhetisiert sind, von Ackerens Sammlung kann nur das Gegenteil sein.

Alle Beiträge sind eben von Laien gefertigt, das sieht man, und bisweilen sind sie zwar recht amüsant, vermitteln aber kaum Tiefgründiges und wenig Neues. Ganz im Gegenteil: auch im zweiten Part seiner Amateurskollekte sehen wir, daß Massentourismus schon immer zu den großen Perversionen der Moderne gehörte, daß es keine Familienfeier ohne die fuselgeschwängerte Polonaise geben darf und - wie in der ersten Spielrunde von DEUTSCHLAND PRIVAT aus dem Jahr 1980 - werden wir auch hier so knapp auf der Hälfte mal wieder in die plüschigen Hinterzimmer, in heckenverkleidete Vorgärten und schalldichte Kuschelkeller deutscher Spießbürger geführt, um dessen Zeuge zu werden, was man so eigentlich nie sehen wollte: nackte, betrunkene und an sich aus den Formen laufende Körper finden vor dem nicht flimmerfreien Kamerablick zueinander, um zu kopulieren, zu kichern, zu trinken, sich neckisch in aufreizende Posen zu bringen ...

Da gibt es durchaus auch Urkomisches zu entdecken - so beim Abschluß DIE ORGASMUSROLLE. Doch das Verstörende überwiegt: nackte Damen an der Nähmaschine, ungelenker Pensionärskoitus, bei dem weder der nachbarschaftliche Beischlaffreund noch Dackel Waldi fehlen dürfen. Zweimal fand von Ackeren dann doch profundere Schicksalsschnipsel, die es eigentlich zum Spielfilm bringen könnten: der Clip, in dem ein Muttersöhnchen Frauen aus dem fernöstlichen Ausland umwirbt, und Muttern sich eben mal an eine Maid aus Thailand und mal an eine aus Indien gewöhnen wird. Oder der Film DDR - DOPPELT BELICHTET, in dem von einer traditionellen und recht sorgenfreien Radtour zum 1. Mai - die Mauerfahrt - rund um die Insel Westberlin erzählt wird. Eines Tages müssen die Freunde Abschied von Bürste nehmen - der darf nach langem Schwitzbad endlich ausreisen ...

Aber da die wenigsten Leben - und das weiß von Ackeren auf jeden Fall sehr gut - tatsächlich Dramatisches bereit halten, wendet er sich mit größter Sorgfalt dann doch wieder den seichteren privaten Sexfilmchen zu. Diese wurden von den Machern recht naseweis kommentiert, was mitunter zu herrlichem Irrsinn führt. Als ein betagter Herr seine auch nicht jünger gewordene Gattin beim sperrigen Sex mit dem besagten Nachbarsherrn filmt, findet er blumige Worte: "Frauchen und Besuch bei der schönsten Sache der Welt." Das kann man durchaus anders sehen ...

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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