D 2012, 110 min
FSK 0
Verleih: Universum

Genre: Dokumentation

Stab:
Regie: Petra Höfer, Freddie Röckenhaus
Drehbuch: Petra Höfer, Freddie Röckenhaus
Stimmen: Benjamin Völz
Produktion: Petra Höfer, Freddie Röckenhaus

Kinostart: 07.06.12

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Deutschland von oben

Ein Jahr im Zeitraffer

Statistiker freuen sich direkt zu Beginn über die Information, daß Deutschland 0,07 Prozent der Erdoberfläche einnimmt. Nicht gerade viel, möchte man spontan meinen, aber trotzdem tobt hier das pralle Leben, was nachfolgend diese Doku vermitteln will. Und zwar, wie es der Titel schon andeutet, aus der Luft. So fliegt man also ein komprimiertes Jahr lang über die Heimat – im Januar gilt es, Steinböcken beim Überlebenskampf zuzusehen. Im Februar steht der Hamburger Hafen durch die zugefrorene Elbe vor echten Problemen. Der März begleitet Zugvögel, und so weiter. Damit das Ganze etwas mehr bietet als „nur“ tatsächlich atemberaubende Aufnahmen, untermalt ein Soundtrack das Geschehen, welcher wahlweise auch ganz gut zu Historienspektakeln, Romanzen oder Action-Knallern passen würde. Das Ohr konsumiert schließlich mit.

Einen eher undankbaren Job hat dabei jedoch, wie so häufig, der Off-Sprecher übernommen. Zu oft muß er Nichtigkeiten von sich geben, im Pathos versinken oder nur knapp an unfreiwilligem Humor vorbeimenschelnde Fakten offerieren – da ist dann beispielsweise zu erfahren, daß Wildgänsen das Fliegen Spaß macht (ach so!). Aber, und man darf betroffen schlucken: „Nicht alle werden zurückkehren“, was übrigens wegen vielerlei Gefahren beim freudigen Flug explizit ebenfalls für Störche gilt. Die Sesamstraße linst angesichts solcher Enthüllungen mehr als einmal von der Leinwand.

Nun vermittelt das alles keinen spürbaren wissenschaftlichen Mehrwert, erhebt – das sei fairneßhalber zugestanden – scheinbar aber auch nicht den entsprechenden Anspruch. Was dann auch erklären mag, weshalb im Wandel der Jahreszeiten vieles bloß angerissen, indes nur wenig zu Ende geführt wird, manches Mal die thematische Bodenhaftung tatsächlich in luftigen Höhen verwirbelt, und man immer dann, wenn Menschen auftreten, diese zwar stets brav beim Namen nennt, sie aber kein einziges Mal zu Wort kommen läßt. Schließlich steht der nächste Monat ja schon vor der cineastischen Tür und bringt von militärischer Abwehr bis hin zur Paarhufer-WG allerhand neues Material.

Bleibt zusammenfassend ein gelungenes visuelles Experiment für den Sehsinn ohne größeren Kitzel der Gehirnwindungen. Ach ja, und nicht zu vergessen natürlich einer der schönsten Sätze, die jemals eine Dokumentation von sich gab: „Wir wissen es alle – die Nordsee ist eine seltsame See!“

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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