Originaltitel: DIAMANTINO

Portugal/F/Brasilien 2018, 97 min
FSK 12
Verleih: Drop-Out Cinema

Genre: Komödie, Schräg

Darsteller: Carloto Cotta, Cleo Tavares

Regie: Gabriel Abrantes, Daniel Schmidt

Kinostart: 08.08.19

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Diamantino

Adipös und klapperdürr

Diamantino Matamouros ist nicht Cristiano Ronaldo! Er mag ein wenig und wohl auch nicht zufällig so aussehen, aber er ist viel besser und fescher als der. Ein Fußballer, der in seinem Heimatland Portugal wie ein Gott verehrt wird und gleich dem übers Wasser wandelnden Heiland über den Rasen schwebt. Jenseits von physikalischen Gesetzen, in einer illuminierenden Glorie aus rosa Wölkchen, flankiert von himmlischen Heerscharen flauschiger Riesenhündchen und zu Jubelchören sakraler Barockmusik jagt Diamantino gern so beseelt wie unaufhaltsam aufs gegnerische Tor zu.

Doch der Schein trügt. Auch Diamantino ist aus Fleisch und Blut, Ängsten und Träumen gemacht. Und ach – jenseits des Fußballplatzes schwindet alles Überirdische und wandelt sich bestenfalls in die Seligkeit des geistig Armen. Zumal nach dem versemmelten Elfmeter zur letzten Fußball-WM wirkt Diamantino wie ein Tor reinen Herzens und ebenso reiner Einfalt. Ein einsamer Parzival auf seiner Luxusyacht, beschattet von zwei Geheimagentinnen, die ihn wegen Steuerhinterziehung drankriegen wollen, konfrontiert mit dem Elend der Welt in Form eines Flüchtlingsbootes, das den Kurs der Yacht kreuzt. Und manipuliert von seinen zwei dauerhysterischen Schwestern, die den Bruder für medizinische Versuche an eine üble Organisation verscherbeln wollen.

Klingt schön abgefahren, oder? Überbordend vor Trash-Appeal und satirisch exaltiert. Soll all das ganz sicher auch sein – und ist nichts davon wirklich. Was das Regie-Duo Gabriel Abrantes und Daniel Schmidt an inhaltlichen Ideen und Anliegen in DIAMANTINO reingestopft hat, läßt den Film im Laufe seiner Handlung immer adipöser wirken. Ausgleich dazu bietet eine inszenatorische Umsetzung, die man wiederum gut und gern als klapperdürr bezeichnen kann. Das meint nicht die Low-Budget-Ästhetik, die sich bei Low-Budget-Produktionen in legitimer, wenn auch nicht zwangsläufiger Weise einstellen mag, sondern jene Konventionalitäten, die in ihrer Konventionalität umso mehr auffallen, wenn man sich so unkonventionell geriert wie hier.

Allein das von der ersten Sekunde des Films aus dem Off gereichte Dauerlabern, mit dem Diamantino die Handlung begleitet, ist dafür ein, nun ja, beredtes Symptom. Filmisch ist DIAMANTINO in der Abseitsfalle. Mag sein, daß das Werk dort immerhin mit dem reinen Herzen der Einfalt hockt.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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