Originaltitel: DIANA

GB/USA 2013, 113 min
FSK 0
Verleih: Concorde

Genre: Biographie, Drama

Darsteller: Naomi Watts, Naveen Andrews, Douglas Hodge

Regie: Oliver Hirschbiegel

Kinostart: 09.01.14

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Diana

Von Geistern, die sie rief

Als Diana, Princess Of Wales, Ende August 1997 verunglückte, löste das bei mir nicht mehr aus als das reflexartige „zu jung, zu früh, die armen Kinder.“ Wie sollte es auch profunder sein – bei einer Fremden? Mehr war nicht drin – in Anbetracht der kollektiven Schockstarre, der Bilder vom Massenpilgern zum Buckinghampalast und der Blumenozeane davor.

Ohne kaltherzig zu sein: Royals waren und sind mir wurscht. Daß sich einem persönlich nun aber ein differenziertes oder meinethalben überhaupt ein irgendwie tragfähiges Bild dieser titelgebenden, legendenumwobenen Frau aufzeigt, das hat Oliver Hirschbiegels Film geleistet, der bei den Briten bisher nicht so ankam, und das aus gutem Grund: So verklärt wie der gute alte Elton seine Kerze im Wind auf die tränenbetropfte Tastatur in der Westminster Abbey hämmerte, das kann doch die Heiligste aller Heiligen kaum einlösen. Hirschbiegel betreibt sicherlich keine Sockelschubserei, er zeichnet aber im zeitlich abgesteckten Rahmen von Dianas letzten beiden Lebensjahren ein durchaus kritisches, in jedem Fall ein irgendwie natürlicheres Bild einer manchmal ganz normalen und dann wieder irrlichternden Frauenfigur. Dazu ist auch der Einstieg ein glänzend gewählter – die Kamera klebt an Dianas Rücken. Auch oder genau so kann man von der meistfotografierten Frau der Welt erzählen.

DIANA ist wohltuenderweise keines dieser ausufernden Biopics geworden – vom ersten Zahnen über die Kinder bis zur Urne: Nein, Hirschbiegel setzt nach der Trennung Dianas von Prince Charles an und erzählt eine Liebesgeschichte. Eine vorerst ganz normale Liebesgeschichte – von der Glücksbesoffenheit und dem entsprechendem Rausch, von kleinen, taktierenden Schritten bis zum finalen Split, vom Rise And Fall. Hasnat Khan ist Herzchirurg, ein eher geerdeter Mann pakistanischer Abstammung. Einer, der sich nicht in den Zeitungen sehen will und trotzdem mit der Berühmtheit eine Beziehung anfängt. Das skizziert grob und doch ziemlich genau das Spannungsfeld, in dem die Figuren agieren. Hirschbiegel unterwarf sich nicht der Pflichtdoktrin des guten Rufs und zeigt Diana als eine verletzte, manipulierende Frau: Um Khan nach der Trennung zurückzukriegen, läßt sie sich mit einem anderen ein – und ruft die Presse. Genau die Geister, die ihr so penetrant, so dicht an den Fersen klebten, bis sie Diana in den Abgrund rissen.

Hirschbiegels Stammkameramann Rainer Klausmann zeigt Diana in klug gesetzten Bildern als einen oft einsamen, den Applaus suchenden Popstar, als eine, die ihre Reden übte, Geisteshaltungen durchkalkulierte, die definitiv eine besondere Aura und gewiß ein großes Herz hatte, die aber sicher selbst wußte, daß die Leute sie nicht allein wegen meßbarer Taten umjubelten. Das macht den Film und seine Titelfigur interessant. Diana war ein Phänomen, dessen Schatten ihr selbst zu groß wurden. An Khan mochte sie, daß er sie eben nicht wie eine Prinzessin behandelte.

Na klar, das sind schon große Kinoszenen á la Julia-ich-bin-auch-nur-ein-Mädchen-Roberts in NOTTING HILL, dazu gesellen sich schöne, melancholische Momente mit Autofahrten ans neblige Ende der Welt, wozu kein Titel passender wäre als Jacques Brels „Ne me quitte pas.“ Hirschbiegel macht das gut, daß er nicht nur auf Drama peitscht, von dem man das Ende ja ohnehin kennt. Er setzt, wie es sich für Kino- und Lebensgeschichten tragischen Ausmaßes gehört, auch auf Humor: Diana kocht für Khan persönlich. Und weil es dann auch genau so schmeckt, knattert bald der Pizzabote an den Sicherheitsleuten vorbei.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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