D 2017, 98 min
FSK 0
Verleih: Farbfilm

Genre: Drama

Darsteller: Ulrike Krumbiegel, Annekathrin Bürger, Rainer Bock

Regie: Alexandra Sell

Kinostart: 25.01.18

25 Bewertungen

Die Anfängerin

Aufs Eis geführt

Annekathrin Bürger fällt dem angereiften und östlich sozialisierten Kinofreund sofort ein, denkt er an gleichermaßen gestandene wie beliebte Schauspielerinnen. Solche, die nach dem Umblättern des Drehbuchs fürs Land mit freundlicher Kaumbeachtung bedacht wurden, was Charakterrollen meint. Der jüngeren Ulrike Krumbiegel erging es nach ’89 zumindest im Fernsehen besser. Was für eine Chance also, beide in einem Film für die Leinwand zusammenzubringen! Was, am Ende, für eine gescheiterte!

Bürger und Krumbiegel gehören in DIE ANFÄNGERIN noch die pfiffigsten Momente. Das war von Regisseurin Alexandra Sell genau so geplant. Als Mutter und Tochter, beide Ärztinnen, liefern sie sich einige herzhaft-bissige Wortduelle und in Ansätzen situationskomische Szenen, die dem ansonsten eher platten, streng vorhersehbaren und optisch bescheiden umgesetzten Handlungsansatz hätten auf die Beine helfen können. Die Beine aber stecken hier auch allegorisch in Schlittschuhen.

Schlittschuhe spielten im Leben von Annebärbel Buschhaus eine große Rolle. Als Kind lief sie endlose Runden auf dem Eis, tanzte wild, sprang hoch. Indes, sie ließ sich den Spaß verderben, geizte mit Ehrgeiz, und Mutter verschenkte das Kufenleder an – Christine Errath, jenes „unglaubliche“ Talent aus Berlin, das später von Berlin-Hohenschönhausen aus zunächst Sportmoderator Heinz-Florian Oertel und bald darauf Millionen Menschen DDR- und weltweit becircte.

Doch zurück zu Annebärbel: Ihr Mann hat die Spätfünfzigerin grad verlassen, weil er „noch was vorhat im Leben.“ Die aufrecht drakonisch veranlagte Mutter sieht, vom Ruhestandpunkt aus, eine neue Möglichkeit des Zugriffs auf die Tochter, während die sich traut, das mit den Schlittschuhen noch mal anzurutschen. Im originalen Sportforum der Hauptstadt, mit der Hobbytruppe des Vereins auf Glatteis, wo nebenan die neuen jungen Talente von übereifrigen Trainerinnen im Jutta-Müller-Stil angebrüllt werden und sich tränenreich auf Meisterschaften vorbereiten.

Doch DIE ANFÄNGERIN entwickelt hierbei allzu offensichtliche Verschränkungen. Bis Christine Errath höchstselbst auftaucht. Danach auch. Die Felder der Zielscheibe tragen eindeutige Kennzeichen. „DDR“ steht darauf, „Nostalgie“, „vertane Möglichkeiten“ und „spätes Freilaufen.“ Warum nur muß das alles so schrecklich betulich sein, ohne jegliches Geheimnis hinter dem, was eh zu sehen ist?

[ Andreas Körner ]

Lesezeichen:

1 Meinung zur Rezension oder zum Film

[ 06.01.18, 13:49:27 – E.S. ]
Ich empfehle Ihnen, Herr Körner, bei
https://www.spielfilm.de/filme/3004890/die-anfaengerin/kritik
die Kritik von Björn Schneider zu lesen.
Oder das Video mit Dr. Kötz vom Filmfestival Ludwigshafen anzuschauen, in dem er mit einem Journalisten über den Film spricht. U.a. rät er, sich den Film vom Anfang an ganz genau anzuschauen und lobt die Fotografin, die die Regisseurin auch noch ist, aufs Höchste. Ja, es ist ein anspruchsvoller Film. Das sage ich nicht, weil ich Alexandras Mutter bin.

MfG E.S.




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