D 2007, 84 min
Verleih: NFP

Genre: Drama

Darsteller: Valerie Koch, Esther Schweins, Franziska Ponitz

Regie: Felix Randau

Kinostart: 10.04.08

Noch keine Bewertung

Die Anruferin

Halbe psychologische Fallstudie

Eine schrille Mädchenstimme bittet darum, eine Geschichte erzählt zu bekommen. Die Kamera folgt der Telefonschnur, die sich über den Teppich schlängelt, bis zu der am Boden hockenden Gestalt. Sie trägt einen schwarzen Hut mit breiter Krempe. Kurz sieht man das Stupsnäschen: aber es ist trotzdem nicht das Gesicht eines kleinen Mädchens, sondern das einer Frau. Der Einstieg in den Film verbreitet eine unheilvolle, um nicht zu sagen unheimliche Atmosphäre. Würde er nur sein Versprechen halten!

Die Geschichte ist eigentlich eine psychologische Fallstudie, kein Thriller, wie man anfangs denken könnte. Zwischen der Pflege ihrer ans Bett gefesselten Mutter und der freudlosen Arbeit im Waschsalon schlüpft Irm mit verstellter Stimme in die Rolle der kleinen kranken Leonore. Via Telefon schleicht sie sich in die Herzen fremder Menschen, um ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen und ihnen weh zu tun. Denn der Spuk endet jedes Mal auf dem Friedhof, wo die Opfer nach der verstorbenen Leonore suchen. Irm hat sie in ihrem Spiel "tot gedacht", wie sie es nennt. Bis Sina auf ihrer Liste steht, die gerade ihren Mann verloren hat. Die beiden schlittern in eine Freundschaft mit doppeltem Gesicht. Sina könnte für Irm ein Rettungsanker sein. Doch die Lüge steht zwischen ihnen.

Man hat bei dieser spröden, zum Teil regelrecht schleppenden Geschichte über Einsamkeit und fatale Zwänge das Gefühl, daß sie nur den halben Weg geht. Dabei wurde mit Valerie Koch als Hauptdarstellerin eine wunderbare Wahl getroffen. Sie kann eine abgründige Person spielen. Nur sind diese Abgründe allzu ziellos inszeniert. Vollkommen unverständlich bleibt, was die beiden Frauen mit einander verbindet, und Sina als Figur nicht mehr als ein im passenden Moment aufzudeckender Joker.

Ein Vergleich mit der französisch-spanischen Produktion CE QUE JE SAIS DE LOLA bietet sich an. Dort ist es ein einsamer Mann, der ebenfalls seine Mutter pflegt und der zum geheimen Voyeur und Stalker seiner Nachbarin wird. Ein Film, der nicht nur rauh ist, sondern auch verstörend und radikal zu Ende gedacht. Eben das ist DIE ANRUFERIN nicht. Aber das wäre vermutlich von einer deutschen Fernsehproduktion auch zu viel erwartet.

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

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