D 2006, 90 min
Verleih: 3L

Genre: Komödie

Darsteller: Carsten Strauch, Rainer Ewerrien, Cosma Shiva Hagen, Burghart Klaußner, Christoph Maria Herbst

Regie: Carsten Strauch

Kinostart: 08.02.07

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Die Aufschneider

Den Witz entfernen wir operativ

Es begann mit dem TASCHENORGAN, einer herrlichen Kurzkomödie über Alltagswahnsinn in Krankenhäusern. Anschließend suchten die Macher sich ein neues Ziel für ihre Satireangriffe: die immer kreativeren Sparpläne von Politikern. Heraus kam DIE AUFSCHNEIDER - ein Film, der weder Satire, noch besonders komisch ist.

Alles ist gut in der beschaulichen Eichwaldklinik - die Ärzte müssen nicht superkompetent sein, Anwesenheit reicht. Nur steht das etwas heruntergekommene Gemäuer vis à vis zum höchst modernen Krankenhaus "St.Georg", an dessen Spitze der skrupellose Professor Radwanski waltet. Sein Personal sieht schnittig und dynamisch aus, selbst wenn es faulenzt. Die Gerätschaften fahren ferngesteuert durch den Medizinpalast aus Chrom und Stahl, und operiert wird am liebsten via Monitor und Roboterarm. Einer von beiden Tempeln der Heilung muß weg. Für welche Institution das Herz der einberufenen und höchst bestechlichen Expertenkommission schlägt, ist ja wohl klar. Doch das Eichwald-Team gibt sich nicht geschlagen. Es ruft zum Duell, stellt sich dabei aber leider selbst ein Bein nach dem anderen.

Späße von alternativen Verwendungen für Spenderorgane, Mediziner in Mariachi-Kostümen und bauchtanzende Krankenschwestern klingen amüsanter, als sie auf der Leinwand letztendlich sind. Kaum ein Gag, den das AUFSCHNEIDER-Team nicht irgendwie verschenkt. Das liegt keinesfalls an den Darstellern. Christoph Maria Herbst spielt das Ekel vom Dienst mit erwartet großer Geste, und auch Cosma Shiva Hagen sollte häufiger ins OP-Outfit schlüpfen. Ihre tolpatschige Krankenschwester Sylvia Göbel ist hinreißend und witzig.

Leider gibt sich das Drehbuch, an dem beide Hauptdarsteller schrieben, schlichtweg "nett" und rudert im politisch überkorrekten, humoristischen Flachwasser. Man kommt gar nicht dazu, die Art des Humors zu be- oder verurteilen, weil sich nur selten eine Pointe blicken läßt. Anflüge von Satire ersticken sich gleich selbst im Keim. Nur, wenn der stets überforderte Dr. Steffen und Schwester Sylvia in einer Mittagspause gekonnt aneinander vorbeireden, bleibt definitiv kein Auge trocken.

Ein Blitzknaller macht aber noch kein Feuerwerk, und so läuft der Film vor und nach besagter Szene ziemlich leer und bietet Zeit für Eigendiagnosen und Doktorspiele im Zuschauerraum.

[ Roman Klink ]

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