Originaltitel: LA MEGLIO GIOVENTÚ

I 2003, 366 min
Verleih: Ventura

Genre: Familiensaga, Drama, Historie

Darsteller: Luigi Lo Cascio, Alessio Boni, Adriana Asti, Maya Sansa

Regie: Marco Tullio Giordano

Kinostart: 12.05.05

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Die besten Jahre

Familienepos über vier Dekaden

Das italienische Kino ist am stärksten, wenn es die Familie fokussiert. 1900 von Bertolucci, ROCCO UND SEINE BRÜDER von Visconti oder DIE FAMILIE von Scola eröffnen durch die private Linse die Perspektive auf Zeitgeschichte. Sie haben ein Gespür für Lokalkolorit, ziehen uns durch Zwischenmenschliches in ihren Bann. Geben wir es ruhig zu, wir lieben die sorgfältig ausgestatteten, weit ausholenden, am besten über Jahrzehnte gespannten Epen. Wir fühlen mit den Protagonisten, identifizieren uns mit ihnen, reiben uns an ihren Lebenswegen. Wir sind eingebettet in den wärmenden Beziehungsreigen.

Wer vierzig Lenze italienischer Geschichte am Beispiel einer römischen Familie erzählt, so wie Regisseur Marco Tullio Giordano in DIE BESTEN JAHRE, läßt uns am Kinosessel kleben. Er verlangt Sitzfleisch: Über sechs Stunden zieht sich der Film, kino- und konditionsgerecht in zwei je dreistündige Episoden geteilt. Eigentlich als Serie "nur" für den kleinen Fernsehbildschirm konzipiert, gelangte er aufs Filmfestival in Cannes und sprang von dort, geadelt durch einen Preis, auf die große Leinwand. Dort eröffnet er bild- und songgewaltig mit "The House of the Rising Sun" von The Animals.

Von Sommer 1966 in Rom bis Frühling 2003 in Norwegen zieht sich der unaufgeregte Erzählfluß. In seinem Zentrum navigieren die Brüder Nicola und Matteo. Der eine studiert Medizin, wird Psychiater, der andere gibt die Literatur auf, geht zur Polizei. Giordano öffnet parallel zu den privaten Biografien historische Zeitfenster: Fußballweltmeisterschaften, Antipsychiatrie, Überschwemmung in Florenz, Studentenbewegung in Turin, Terrorismus, Mafia-Morde. In diesem Passepartout bewegen sich die Figuren, ohne an Individualität einzubüßen.

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins im ersten Teil schwächt im zweiten ein sentimentaler Zwang zum Happy End. Einen starken, fast betäubenden Eindruck hinterläßt der Film aber allemal.

[ Ulrike Mattern ]

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