Originaltitel: THE BOOK THIEF

USA/D 2013, 131 min
FSK 6
Verleih: Fox

Genre: Literaturverfilmung, Historie, Drama

Darsteller: Sophie Nélisse, Geoffrey Rush, Ben Schnetzer, Emily Watson, Barbara Auer, Heike Makatsch

Regie: Brian Percival

Kinostart: 13.03.14

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Die Bücherdiebin

Schicksalsjahre eines Bücherwurms

Daß das Dritte Reich ein Thema bleibt, dessen anhaltend hohe mediale Präsenz eine Notwendigkeit gegen das Vergessen, Verharmlosen und Verleugnen darstellt, ist unbestritten. Allerdings scheint es im Filmgeschäft immer häufiger das Phänomen zu geben, daß das Grauen dieser Zeit wie eine austauschbare Hintergrundkulisse just dann zum Einsatz kommt, wenn für ein Filmvorhaben auf die Schnelle Tiefgang und Anspruch her müssen. Nicht umsonst geht in Filmkreisen unermüdlich das Gerücht um, daß mit dem Bedienen der Themenfelder Drittes Reich und Judenverfolgung die OSCAR-Chancen eines Films deutlich steigen. Nun möchte man den Machern dieser hier vorliegenden Adaption eines Weltbestsellers nicht von vornherein reine Berechnung unterstellen, dennoch bleibt zu attestieren, daß man Deutschlands dunkelste Jahre so uninspiriert konturlos und bemüht künstlich wie hier lang nicht mehr bebildert gesehen hat.

Es beginnt damit, daß kein Geringerer als Gevatter Tod den netten Erzählonkel gibt, der seinen Job ungern erledigt. Das könnte man angesichts Millionen Kriegstoter geschmacklos empfinden, aber damit würde man dem Film so etwas wie eine herausfordernde Haltung zu seinem Sujet zugestehen. Stattdessen wird lehrbuchhaft die Geschichte von Liesel erzählt, die nach dem Tod ihres kleinen Bruders und der Verhaftung ihrer Mutter bei Pflegeeltern unterkommt und durch eine Fügung des Schicksals zur Komplizin beim Verstecken eines jüdischen Jungen wird. Halt während der erschütternden Kriegsjahre geben ihr stets die Bücher, die sie zunächst aus den Ascheresten der Bücherverbrennungen mitgehen läßt, schließlich aber aus der Bibliothek des Bürgermeisters stiehlt.

Die Macher mögen die verharmlosende Märchenästhetik mit der Zielgruppe der jüngeren Zuschauer entschuldigen, aber auch diese sollten den Schrecken der Kriegsjahre kaum dermaßen einfältig und verkitscht serviert bekommen. Den Schauspielern kann man keinen Vorwurf machen, sowohl die Jungdarsteller als auch die gestandenen Größen wie Geoffrey Rush, Emily Watson und Barbara Auer tun ihr Bestes, den Gutmenschen, die sie verkörpern, ein Kinoprofil zu verleihen. Aber auch sie können nicht verhindern, daß DIE BÜCHERDIEBIN so profillos bleibt, daß selbst Stephen Daldrys zwiespältiger DER VORLESER dagegen wie großes Zeitgeschichtsdrama wirkt. Vorhersehbarer Historienkitsch, der, statt seinen Teil gegen das Vergessen beizutragen, zum Vergessen bieder daherkommt.

[ Paul Salisbury ] Paul mag vor allem Filme, die von einem Genre ausgehen und bei etwas Neuem ankommen. Dabei steht er vor allem auf Gangsterfilme, Western, Satire und Thriller, gern aus der Hand von Billy Wilder, Sam Peckinpah, Steven Soderbergh, Jim Jarmusch, den Coen-Brüdern oder Paul Thomas Anderson. Zu Pauls All-Time-Favs gehören DIE GLORREICHEN SIEBEN, TAXI DRIVER, ASPHALT COWBOY, SUNSET BOULEVARD, POINT BLANK ...

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