D 2009, 85 min
FSK 0
Verleih: Real Fiction

Genre: Dokumentation

Regie: Aleksandra Kumorek, Silvia Kaiser

Kinostart: 03.06.10

1 Bewertung

Die Eroberung der inneren Freiheit

Unverstellte Einblicke in Seelenleben

Freiheit ist ein in der westlichen Welt ebenso mythischer wie nebulöser Begriff. Zur Verteidigung oder Erlangung der Freiheit werden Debatten und Kriege geführt, Demokratie und Bürgergesellschaft mobilisiert oder auch Scheidungen eingereicht. Was aber, wenn einem die äußere Freiheit, Entscheidungen über das eigene Leben zu treffen, genommen ist? Bleibt dann nur noch das Postulat einer wie auch immer gearteten inneren Freiheit? Und wie kann eine solche innere Freiheit konkret beschaffen sein?

Diesen Fragen gehen Aleksandra Kumorek und Silvia Kaiser in ihrem Dokumentarfilm DIE EROBERUNG DER INNEREN FREIHEIT nach. Ein Jahr lang begleiteten sie Insassen der JVA Berlin-Tegel in ihrem Alltag und während „Sokratischer Gespräche“, welche die Haftanstalt als einzige weltweit anbietet. Unter der Anleitung zweier Philosophen reflektieren die Langzeitinhaftierten über Themen wie „Wert des Lebens“, „Kick des Verbrechens“, „Wahrheit und Lüge“ oder eben auch „innere Freiheit.“ Diese philosophischen Gruppengespräche regen die Gefangenen an, über ihre Entwicklung, ihre Wünsche und Ängste, über ihr Wertesystem und in der Konsequenz auch über ihre Taten nachzudenken. Für viele von ihnen ist es das erste Mal, daß sie sich bewußt mit sich selbst auseinandersetzen. Selbsterkenntnis als Mittel zur Veränderung.

Die Stärke des Films besteht in Einzelinterviews, in denen sich die Inhaftierten sehr offen über ihr Leben im Gefängnis, über ihre Schuldgefühle, aber auch über ihre Faszination am kriminellen Leben äußern. Den Filmemacherinnen gelingen unverstellte Einblicke in das Seelenleben von Menschen, deren Welt dem unbescholtenen Bürger verschlossen ist. Die meist statische Kamera reflektiert die Statik des Gefängnislebens, die immer gleichen Routinen des Auf- und Zuschließens von Türen, den ewig gleichen Blick aus dem vergitterten Fenster in das Draußen, wo die Jahreszeiten und die Vögel scheinbar berührungslos an den Inhaftierten vorbeiziehen.

Am Schluß des Filmes steht Sokrates’ Diktum: „Nur ein reflektiertes Leben ist es wert, gelebt zu werden.“ Die Eroberung der inneren Freiheit ist inner- wie außerhalb von Gefängnismauern eine Herausforderung.

[ Dörthe Gromes ]

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