Originaltitel: CAVE OF FORGOTTEN DREAMS

D/F/USA/GB/Kanada 2010, 90 min
FSK 6
Verleih: Ascot

Genre: Dokumentation, Poesie

Regie: Werner Herzog

Kinostart: 10.11.11

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Die Höhle der vergessenen Träume

Werners Reise in die Urzeit

Irgendwie konnte es tatsächlich bloß Werner Herzog sein, der auf so etwas kommt. Einen Film über rund 32.000 Jahre alte Höhlenmalereien zu machen. Hineinzukriechen ins Innere eines Berges und hinab in die Zeit.

Die 1994 im südfranzösischen Ardèche-Tal entdeckten Chauvet-Höhlen sind eine wissenschaftliche Sensation. Hunderte Wandbilder in einem sich auf einem knappen halben Kilometer verzweigenden Höhlensystem. Eine Katakombe der Prähistorie – und ein Artefakt, ein berührendes Zeugnis über das zutiefst menschliche Bedürfnis nach künstlerischem Ausdruck. Ein Bedürfnis, das freilich auch aus jener Art Spiritualität entspringt, für die, das darf man behaupten, gerade auch Werner Herzog ausgesprochen empfänglich ist. Ob das nun der Grund ist, warum das französische Kulturministerium für den deutschen Regisseur die große Ausnahme von der Regel machte und die ansonsten für jeglichen Besuch geschlossenen Chauvet-Höhlen für ein Kamerateam öffnete, ist schwer zu sagen.

Herzogs Interesse an der Schilderung wissenschaftlicher Fakten dürften zumindest kaum der Anlaß gewesen sein. Nicht, daß diese hier ignoriert würden. Aber wie von ihm zu erwarten, sind bei Herzog diese Fakten nur Basispunkte für eine Expedition in Zwischenreiche. Und wenn Herzog nach langem Wandeln im Höhlendunkel, Scheinwerfer und Blick immer auf die in der Tat faszinierenden Malereien, den Eindruck schildert, nicht er wäre der Betrachter, sondern würde geradezu körperlich fühlen, daß er vielmehr aus der Vergangenheit dieser Bildnisse heraus betrachtet werde, klingt das plötzlich ganz plausibel. Denn das konnte Herzog schon immer gut – im Nebulösen tasten, ohne esoterisch zu werden, ohne Simplifizierung und Einfältigkeit eine Aura der Spiritualität erkunden.

Die trägt in guten Momenten auch DIE HÖHLE DER VERGESSENEN TRÄUME in sich. Doch so richtig in den Film dringen und sich darin auszubreiten vermag diese Stimmung nicht. Man könnte es so sagen: Zu oft steht die Kamera im Sonnenlicht. Zu viel wird gesprochen. Man könnte auch sagen, das Dokumentieren vertreibt genau die Geister, die der Film beschwört. Und doch: Das letzte Wort in dieser Exkursion ist dann wieder ein Herzogsches erster Güte. Da komprimiert sich der Kosmos seiner Weltsicht zum kühnen Brückenschlag: von der Höhlenmalerei zu Atomkraftwerken und ja – Albino-Alligatoren.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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