Originaltitel: THE SHACK

USA 2017, 132 min
FSK 6
Verleih: Concorde

Genre: Drama, Literaturverfilmung

Darsteller: Sam Worthington, Octavia Spencer, Radha Mitchell

Regie: Stuart Hazeldine

Kinostart: 06.04.17

Noch keine Bewertung

Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott

… als unerwartetes Erlebnis

Man muß sich zusammenreißen und den Beginn irgendwie überstehen: Eine vollkommen dysfunktionale Familie, komplett mit alkoholabhängigem Vater und verprügelter Mutter, brüllt von der Leinwand, und es dauert keine fünf Minuten, bis die behütende schwarze Nachbarin dem Sohn sagt: „Talk To God. He’s Always Listening.“ Uff. Dann ein Zeitsprung, nicht hin zum Besseren: Ungefähr zwei Jahrzehnte vergingen, wir sehen als Kontrast eine 100%ig harmonische Familie plus Freunde. Die Männer sind kernig-bärtig, die Frauen blond-ätherisch, die Kinder wohlerzogen-superklug. Unseregroben Pinsels konturlos gezeichnete Bilderbuchbande flüstert liebevolle Worte, aus dem Nichts klimpert der Soundtrack vor sich hin, die Subtilität eines Preßlufthammers klopft das Hirn durch.

Plötzlich eine Grausamkeit. Das Skript nimmt sie eher gelassen zur Kenntnis und zum Anlaß, nach kurzer Drehung das verbale Niveau anders schattiert beizubehalten: „Don’t Forget We Love Each Other!“ Eigentlich will man spätestens jetzt sein Heil in der Flucht suchen, nicht mehr wissen, was dem gebrochenen Papa Mack weiter geschieht. Aber es siegt doch die Neugier, als ein Brief ihn an den Ort des schrecklichen Verlustes lädt – unterzeichnet von Gott.

Und jener Neugier wird zu danken sein, denn was die restlichen anderthalb Stunden nun zeigen, lohnt einen zweiten Blick. Nicht nur, daß hübsche Ideen wie ein Jahreszeitenwechsel mitten im Wald märchenhaft verträumte Bebilderung erfahren, Macks Heilung sich allgemein in Aufnahmen hoher Metaphorik vollzieht, es geht auch inhaltlich endlich interessant her. Im Zentrum die ewige, ungelöste Frage, warum Gott solches Leid zuläßt.

Was der Film darauf zu antworten weiß, sei an dieser Stelle nicht bewertet – das mag der interessierte Zuschauer selbst erledigen; Diskussionspotential besteht in jedem Fall. Fest steht jedoch ganz objektiv: Daß Macks Wochenende eine unerwartete, fast seltsame Rührung anhaftet, hat viel bis alles mit Octavia Spencers unmöglich durch gängige Maßstäbe erfaßter darstellerischer Leistung zu tun. Wenn es Gott gibt, dann muß sie tatsächlich diese kleine, afroamerikanische Frau sein, welche ohne jede merkliche Anstrengung eine Aura unglaublicher Güte, Weisheit und Reinheit um sich flirren läßt. Derart grandios, daß man sich am Ende, das wieder irdische Probleme verhandelt, auf einzigartige Weise getröstet fühlt.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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