Originaltitel: LE FILS DE JEAN

F/Kanada 2016, 98 min
FSK 6
Verleih: Temperclay

Genre: Drama

Darsteller: Pierre Deladonchamps, Gabriel Arcand, Marie-Thérèse Fortin

Regie: Philippe Lioret

Kinostart: 14.12.17

1 Bewertung

Die kanadische Reise

Milde Sorte und ein Päckchen

Immer diese Hochzeiten und Todesfälle! Wieder und wieder kehren sie auf die Leinwände zurück, so, als würde just hier und heute zum ersten Mal geheiratet und gestorben. Auch gern genommen: Der Tod von Vater oder Mutter an fernem Orte, woraufhin sich Sohn oder Tochter zur Beerdigung aufmachen, um Dinge zu regeln, Geheimnisse aufzudecken und am Ende Brisantes über sich selbst zu erfahren. Richtig spannend wird es, wenn mit dem Erbgut etwas nicht stimmt. Und noch richtiger spannend, wenn binnen weniger Tage gleich zwei Filme über väterliche Rätsel ins Kino kommen. Der Dezember mit EINE BRETONISCHE LIEBE und dem neuen Werk von Philippe Lioret will es so.

Es ist Mathieu, Anfang 30 und Angestellter einer Pariser Firma für Hundenahrung, der einen Anruf erhält. Jahre nach seiner Mutter sei nun auch sein leiblicher Vater gestorben, allerdings in Kanada. Das Einzige, was Matthieu bislang von ihm wußte, ist die Tatsache eines One-Night-Stands mit Maman. Mehr wurde nie darüber gesprochen, ganz sicher auch, um das Familienleben in Frankreich wie Kanada nicht zu belasten. Matthieu hat selbst einen kleinen Sohn und eine Ehe, die auseinanderbrach. So wie man ihn anfangs mit seiner Ex und dem kleinen Valentin erlebt, wird er den gesamten Film über sein: mild und ruhig, alles andere als aufbrausend. Auch als es für ihn wirklich dramatisch wird. Nach dem Anruf folgt die Reise. Inzwischen weiß Mathieu, daß am Ziel ein Päckchen seines Vaters auf ihn wartet. Pierre, Vaters Freund, hat es angekündigt. Er wird es auch sein, der Mathieu am Flughafen abholt und ihm angemessen freundlich, aber bestimmt die Fakten erklärt. Ja, Mathieu habe zwei Brüder, er werde sie sehen, doch sie wüßten nichts von ihm, und das solle auch so bleiben. Ja, das Päckchen sei bei Pierre im Kofferraum. Und ein Bier wäre gut!

Rätsel, die sich der Regisseur für seine Handlung ausgedacht hat, wären keine mehr, würden sie vorab verraten. Es ist die alte Melange aus Binsen und Weisheit. Bleibt also nicht viel mehr, als darauf zu setzen, daß Regisseur Lioret mit dieser Familiengeschichte das gleiche Gespür für Aura, dieselbe Präzision im Zeichnen von Figuren und eine ähnliche Zurückhaltung im Dramatischen schafft wie dereinst in Filmen wie WELCOME, MADEMOISELLE oder DIE FRAU DES LEUCHTTURMWÄRTERS. Ach, der ist das? Dann ist es ja kein Wunder, daß es ihm gelingt.

[ Andreas Körner ]

Lesezeichen:

Ersten Kommentar schreiben zur Rezension oder zum Film




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.