Originaltitel: L`ART D`AIMER

F 2011, 85 min
FSK 0
Verleih: Camino

Genre: Liebe, Episodenfilm

Darsteller: François Cluzet, Judith Godréche, Julie Depardieu

Regie: Emmanuel Mouret

Kinostart: 17.05.12

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Die Kunst zu lieben

... und die schwierige Kunst, davon zu erzählen

Damit wir uns nicht mißverstehen, ich mag französische Filme. Und Liebesfilme. Besonders das, was man vermeintlich als das Französische in französischen Liebesfilmen ausmacht: viel aufgeregtes Gerede, komplexes Liebesleid, Kammerspiel, eine Anhäufung von gut gespielten Charakteren, Turbulenz, Paris als Dreh- und Angelpunkt. Ich mag sogar die etwas leichteren französischen Komödien, bei denen man sich nicht seicht, sondern leicht unterhalten fühlt. So etwas in der Art hätte wohl auch dieser Film von Emmanuel Mouret werden sollen. Nur, Mouret übertreibt es. Zuerst vergißt er, daß er eigentlich einen Film machen wollte und läßt einen Erzähler gefühlte 20 Minuten bebildert über die „Melodie der Liebe“ monologisieren. Ausgerechnet ein junger Komponist hört sie erst in der Stunde seines Todes, und sein Herz, endlich mit Liebe angefüllt, weiß nicht, wer mit dieser Liebe gemeint ist. Na gut!

Dann reiht sich Liebesverstrickung an Liebesdebakel. Bester Freund gesteht bester Freundin seine Liebe. Die ist jedoch liiert und nicht zum Betrug bereit, während ihr offensichtlich gelangweilter Partner durchaus auf die Jagd zieht. Die Freundin der besten Freundin hat gerade gar keinen Sex mehr. Also, warum soll im stockdunklen Hotelzimmer nicht bester Freund auf sexlose Freundin treffen? Ein Blind Date, das hält, was es verspricht? Dann gibt es noch das Pärchen, das eigentlich mal die freie Liebe ausprobieren möchte und daran scheitert. Oder wächst – je nachdem. Und das Paar im besten Alter, welches neue Liebeswege geht, weil Frau Mann gestanden hat, daß sie sich gerade von buchstäblich allen Männern sexuell angezogen fühlt, die ihr über den Weg laufen.

Ganz sicher, irgendeine Paarung und Zusammenführung der jeweiligen Protagonisten sind mir entfallen. Vor allem deshalb, weil ich mich ernsthaft langweilte. Nicht nur so ein bißchen abdriftete, gewisse Längen spürte, mich über die eine oder andere Plattitüde ärgerte. Nein, es war allumfassend. Die Dialoge unterhielten nicht, die Charaktere amüsierten nicht, es rührte sich nichts. Die reichlich aufgetafelte Melodie der Liebe brachte nicht in Schwingung. Dann beginnt man darüber nachzudenken, ob man wenigstens etwas gelernt habe, schließlich befand man sich ja gerade in einer Art verfilmtem Liebesratgeber. Und siehe da: Beim nächsten Aufenthalt im Hotel werde ich Gaffertape mitführen. Absolute Dunkelheit ist doch mal eine gute Idee.

[ Susanne Schulz ]

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