D 2012, 81 min
FSK 0
Verleih: NFP

Genre: Tragikomödie, Poesie

Darsteller: Fritzi Haberlandt, Mario Adorf, Irm Hermann, Samuel Finzi

Stab:
Regie: Lola Randl
Drehbuch: Lola Randl

Kinostart: 06.12.12

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Die Libelle und das Nashorn

Ein federpfundiger Paarungsversuch

Denkt man an Dortmund in der Nacht, wird einem in Zukunft wohl dieses Hotel einfallen. Gediegen, teuer, diskret und im Fall von Lola Randls zweitem Langfilm die unbescheidene Herberge für ein Paar, das keines ist. Oder eines werden möchte. Oder spielt, daß es eines sein könnte. Oder sich einfach die Ewigkeit bis zum Morgengrauen so vergnüglich wie möglich um die Ohren schlagen will.

Zunächst aber sieht die Bekanntschaft zwischen Nino Winter und Ada Hänselmann gar nicht nach Vergnügen aus. Er, der ergraute Leinwandgrandseigneur auf Autobiographievermarktungstour, und sie, die nervöse Jungprosaistin, bestreiten eine Doppellesung. Der Abschied im Gemeinschaftstaxi fällt reserviert aus, erweist sich jedoch als verfrüht. Ein abgesagter Flug und ein abtrünniger Liebster, manche nennen das Schicksal, lassen die beiden nämlich im selben Hotel stranden. Sie sucht den W-Lan-Empfang, er seine Ruhe. Beide finden sich an der Bar – und endlich auch ein Thema: Mückenstichjuckreizbekämpfung. Ja, Ada weiß, wie man das Eis bricht und leitet elegant über zu Fragen des Geschlechtlichen und des Alterns. Überrumpelt läßt sich Herr Winter zur Konversation herab, später zu einem kleinen Detektivspiel und noch später zu Spiegeleiern aus der Hotelküche. Denn diese Nacht macht Appetit.

Lola Randl hat ein bisweilen umwerfend verschrobenes Sprechstück inszeniert, dem das Herz auf der Zunge liegt, und zwar so leicht, das neben Melancholischem und Albernem sogar eine Kriminalgeschichte mit Miss-Marple-Patina auf die Spitze paßt. Auf engstem Raum, oft auch in lakonisch-gewitzten Einstellungen baut sie ihrem Darstellerunpaar Haberlandt/Adorf eine Spielwiese, auf daß es sich genüßlich am jeweils eigenen Rollenfach schubbern möge. Die jugendliche Naive schlenkert zerstreut und penetrant durch Hotelflure und Seelengänge. Der altersweise Bonvivant trägt seine Distinguiertheit wie eine Krone auf dem Kopf und verschmerzt gelassen, daß Zacken herausgebrochen werden.

Das ist ein Flattern und ein Säuseln, ein Überrennen und aufs Horn nehmen, ein Besummen und Umzingeln, auch und gerade im Widerspruch zu ihrer physischen Erscheinung. Ein bißchen vom traurig-clownesken Schalk aus LOST IN TRANSLATION, ein wenig alltagsphilosophische Gelenkigkeit und etwas, das wir von jetzt ab Randl-Charme nennen sollten – so dreht man die müdegefilmte Flirt- und Knisterroutine auf links.

[ Sylvia Görke ]

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