Originaltitel: L’ÉCONOMIE DU COUPLE

Belgien/F 2016, 95 min
FSK 12
Verleih: Camino

Genre: Drama, Liebe

Darsteller: Bérénice Bejo, Cédric Kahn, Marthe Keller

Regie: Joachim Lafosse

Kinostart: 03.11.16

1 Bewertung

Die Ökonomie der Liebe

Der Schmerz des Scheiterns

Bei 163.335 Ehescheidungen im Jahre 2015 in Deutschland kann man davon ausgehen, daß der Film des belgischen Regisseurs Joachim Lafosse seine Zuschauer auch in den hiesigen Kinos findet. Auch wenn sich vielleicht nicht jeder in der Vorhölle seiner eigenen Trennung wiederfinden möchte. Denn wenn es ein Fegefeuer gibt, dann geht es dort genauso zu wie im perfekten Wohnambiente von Marie und Boris. Von ihrem Erbe wurde es bezahlt, von ihm wertsteigernd renoviert. Doch nach 15 Jahren Gemeinsamkeit scheinen die Noch-Eheleute nur noch über die zeitliche Verwaltung ihrer zwei bezaubernder Zwillingstöchter eine Gesprächsebene zu finden. Oberflächlich betrachtet, leben die beiden nur noch aus rein finanziellen Gründen unter dem gemeinsamen Dach: Sie will ihn nicht auszahlen, er hat kein Geld für eine eigene Wohnung. 

Lafosse dröselt langsam die haarfeinen emotionalen Verstrickungen, die das Paar immer noch wie in einem Netz des Schmerzes gefangen halten, auf und läßt das Verständnis des Zuschauers in Pendelbewegungen zwischen den Parteien kreisen. Anfangs kann man das Klischee Marie nicht ertragen, das als überperfekte Mutter den Alltag ihrer Töchter wie einen militärischen Plan durchexerziert, während Boris als Vater Gelassenheit verbreitet. Langsam versteht man dann Maries abgespannte Genervtheit dem hundeäugigen großen Jungen gegenüber, weil man ahnt, daß seine Nummer des mittlerweile traurigen Clowns nur mit größtem Kraftaufwand ihrerseits am Laufen gehalten wurde.

Ohne großes Pathos zelebriert Lafosse den Kollaps einer Liebe, vor allem durch das feinsinnige Spiel seiner Darsteller Bérénice Bejo und Cédric Kahn, die in die Gefühlswelt eines Paares am Rande des Nervenzusammenbruchs zermürbend genau eintauchen. Nie wird populistisch und mit aufgeregter Kameraführung die Frage nach dem Einfluß der Ökonomie auf die Liebe im allgemeinen verhandelt oder sich schwadronierend über den Verfall der Romantik ausgelassen.

Vielmehr gibt Lafosse in klaren Einstellungen, denen trotzdem eine poetische Kraft innewohnt, den Status Quo eines Scheiterns bekannt.

[ Susanne Kim ] Susanne mag Filme, in denen nicht viel passiert, man aber trotzdem durch Beobachten alles erfahren kann. Zum Beispiel GREY GARDENS von den Maysles-Brüdern: Mutter Edith und Tochter Edie leben in einem zugewucherten Haus auf Long Island, dazu unzählige Katzen und ein jugendlicher Hausfreund. Edies exzentrische Performances werden Susanne als Bild immer im Kopf bleiben ...

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