D 2000, 97 min
FSK 12
Verleih: Piffl

Genre: Drama

Darsteller: Gabriela Maria Schmeide, Axel Prahl, Jevgenij Sitochin, Katrin Saß

Regie: Andreas Dresen

Kinostart: 07.06.01

1 Bewertung

Die Polizistin

Grüße aus dem Wilden Osten

"Ich habe gern mit Menschen zu tun" entgegnete die umgeschulte Postfrau auf die Frage, was sie dazu bewog, bei der Polizei zu stranden. Über den Mangel an Gesellschaft wird sie sich fürderhin nicht beklagen können.

Auch wenn die Rostocker Plattenbausiedlung alles andere als gesellschaftsfähig ist. Die Polizistin logiert dortselbst in einer Einraumzelle mit Dusche, ohne Blick aufs Meer. Ihr fehlt die Zeit für Depressionen: Eine senile Dame türmt zum wievielten Male aus dem Altersheim. Im nahe gelegenen Wald baumelt ein Selbstmörder im Taucheranzug. Anderswo bewerkstelligt jemand einen Ladendiebstahl, uriniert in die Sparkassenfiliale, verkloppt oder erwürgt gerade sein angetrautes Weib. Neben der Ostsee gibt es ein Meer aus Drogen und Arbeitslosigkeit ohnehin...

Tja, so sieht’s halt aus im Osten, befanden gutsituierte Meinungsmacher, die den Landstrich noch vom Hörensagen kennen. "Das ist die Wahrheit" (Die Zeit); "Dieser Film ... zeigt einfach nur die Wirklichkeit" (Süddeutsche Zeitung) und "vermeidet jedes noch so naheliegende Klischee" (FAZ).

Hmm, das klingt noch gescheiter, als die Polizei erlaubt. Seit wann ist ein Spielfilm, im Gegensatz zum Dokfilm, einer sogenannten Wirklichkeit verpflichtet? Sollte Kunst nicht vielmehr eine Wirklichkeit erfinden? Und werden nicht für denjenigen, der schon in den Dunstkreis architektonischer Tristesse geriet und sich unter einer Polizistin etwas mehr als einen Dragoner vorstellen kann, alle Klischees sattsam bedient? Trotzdem verdient der Grimme-Preisträger den Weg ins Kino. Zum Beispiel wegen Katrin Saß, die in ihrer Nebenrolle den Rest an die Plattenbauwand spielt. Die Fortsetzung von BIS DASS DER TOD EUCH SCHEIDET erwies sich als einer der schönen Regieeinfälle. In der keineswegs unsympathischen Hauptdarstellerin indes ist noch kein großes Leinwandgesicht auszumachen. Ein Gesicht, das auch nach 20 Jahren im Gedächtnis bliebe, wenn die Erinnerung den Film längst getilgt hätte. Ein solches Gesicht besaß seinerzeit Miou-Miou. Der Film hieß übrigens DIE POLIZISTIN.

[ Angela Rändel ]

Lesezeichen:

Ersten Kommentar schreiben zur Rezension oder zum Film




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.