Originaltitel: LA TORTUE ROUGE

F/J/Belgien 2016, 94 min
FSK 0
Verleih: Universum

Genre: Animation, Poesie, Abenteuer

Stab:
Regie: Michael Dudok de Wit
Drehbuch: Michael Dudok de Wit

Kinostart: 13.04.17

1 Bewertung

Die rote Schildkröte

Ein namenloser Schiffbrüchiger wird auf ein winziges, tropisches Eiland inmitten der unermeßlichen Weite des Meeres gespült. Strand, Wald, Felsen, eine Süßwasserlagune, dazu Unmengen an Vögeln, Krabben und Insekten. Doch die karge Schönheit der Natur entschädigt den Mann nicht für seine essentielle Einsamkeit. Aus Verzweiflung baut er sich ein wackliges Floß, um der Insel zu entfliehen. Doch eine geheimnisvolle, rote Schildkröte zerstört das Gefährt jedes Mal, bevor es das offene Meer erreicht.

Der Animationsfilm DIE ROTE SCHILDKRÖTE ist eine poetische Allegorie auf den ewigen Kreislauf des Lebens zwischen Geburt und Tod. Der Niederländer Michael Dudok de Wit feiert in seiner Geschichte die Schönheit des Lebens, zu welcher der Schmerz genauso gehört wie die Freude. Wie die Geschichte sind auch die wunderschönen Animationen auf das Wesentliche reduziert. In ihrer Naturgenauigkeit haben die eleganten Zeichnungen fast etwas Dokumentarisches. Der gesamte Film kommt ohne ein einziges gesprochenes Wort aus. Am Anfang dominieren reine Naturgeräusche wie das Rauschen der Brandung, das Kreischen der Vögel, das Pfeifen des Windes, später tritt mehr und mehr ein Score aus Streicherklängen hinzu. All das macht den Film zu einem sinnlichen Genuß.

Ohne jegliche gesellschaftliche Einflüsse tritt die unauflösliche Beziehung des Menschen mit der Natur offen zutage. Das Meer ist der Ursprung allen Lebens auf dieser Erde, und wir alle sind seine Kinder. So kommt eines Tages die magische Schildkröte auf die Insel und verwandelt sich in eine Frau. Nun tritt auch der Mann vollends in den Lebenskreislauf ein.

Seinen ersten Langfilm realisierte Dudok de Wit, der bereits mehrere hochgelobte Kurzfilme schuf, zusammen mit dem berühmten Studio Ghibli aus Japan. Das von Hayao Miyazaki und Isao Takahata 1985 gegründete Studio ist in Europa vor allem für die Filme Miyazakis (CHIHIROS REISE INS ZAUBERLAND, PONYO u.a.) bekannt. Erstmals kam es nun zu einer Zusammenarbeit außerhalb Japans.

DIE ROTE SCHILDKRÖTE nimmt sich mit leichter Hand erzählerische Freiheiten, mit denen sich Realfilme meist schwer tun. In ihrer Universalität ist die Geschichte zutiefst anrührend. Da stören selbst die mitunter esoterisch-sentimentalen Untertöne nicht.

[ Dörthe Gromes ]

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