Originaltitel: THE ROYAL TENENBAUMS

USA 2001, 108 min
Verleih: Buena Vista

Genre: Komödie, Schräg

Darsteller: Gene Hackmann, Anjelica Huston, Ben Stiller, Gwyneth Paltrow, Owen Wilson, Danny Glover, Bill Murray

Stab:
Regie: Wes Anderson
Drehbuch: Wes Anderson, Owen Wilson

Kinostart: 14.03.02

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Die Royal Tenenbaums

Neues aus dem amerikanischen Königshaus - Wes Anderson träumt eine Dynastie

Seit RUSHMORE kann man Skurrilität neu buchstabieren, spiegelverkehrt vielleicht, auf jeden Fall anders. Was darf man also von einem Regisseur erwarten, der den wohl sonderbarsten Elite-Schüler dieser Erde erfand und ein Universum aus seltsamen Hobbys und verqueren Ansichten gleich mit? Alles! Mindestens aber die tragische Geschichte des Mister Tenenbaum. Er verließ Frau und Kinder, um als windiger Dandy ein Hotelzimmer zu bewohnen, ab und an auch eine Gefängniszelle, seine Anzüge gegen jeden modischen Trend am Körper reifen zu lassen, sich - zwanzig Jahre und eine Pleite später - an seine Familie zu erinnern und unters heimatliche Dach zurück zu mogeln: Chas, sein Ältester, war als Fünfzehnjähriger dick im Immobilien-Geschäft, kümmert sich nach dem Tod seiner Frau aber nur mehr um die allgemeine Sicherheit seiner Söhne, indem er sie mit Probealarmen und einer Trillerpfeife schult. Richie, der ehemalige Kinder-Tennis-Star hat seinen Schläger an den Nagel gehängt, um über die Weltmeere zu schippern, und Adoptivtochter Margot (ihr zweiter Vorname ist Herrn Tenenbaum entfallen), noch vor der Pubertät eine gefeierte Dramen-Autorin, raucht seit sie zwölf ist heimlich aber intensiv, versteckt sich im Badezimmer vor ihrem Mann und klopft traurig mit ihrer Fingerprothese an den Wannenrand. Wohin verschwand die Genialität, die durch Mutter Ethelins pädagogisches Geschick, gepaart mit einem Hauch sonderbarer Blaublütigkeit (schließlich heißt Vati Royal), einst in diesen Kinderköpfen wohnte?

Wundersam ist, mit wieviel Wollust sich sonst glatt gefilmte Stars wie Ben Stiller und Gwyneth Paltrow in diese leise, schräge Revolution des Genres "Familien-Drama" stürzen, erstaunlicher noch, wie hier arglose Kinobesucher zu mitfühlenden Paten eigenartiger Leute werden, auf die man im wirklichen Leben beruhigend aber immer mit Abstand eingelächelt hätte. Der Verfallsduft einer Dynastie hat sich als zitronengelber Staub auf die Bilder gelegt, verrottete Taxis befördern die Figuren, Klamotten, die irgendein undefinierbares Revival feiern, umschlottern ihre Leiber. Anderson ersann die behaglichste aller Irrenanstalten mit Charme und Stil, bricht im Vorübertänzeln eine Lanze für die Liebe zwischen Bruder und Schwester, streichelt seinen Patienten die melancholischen Wangen und empfiehlt: Lachen bis ein Arzt kommt, der sein Diplom nicht im Kino gewonnen hat.

[ Sylvia Görke ]

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