Originaltitel: LES BEAUX JOURS D’ARANJUEZ

F/D 2016, 98 min
FSK 0
Verleih: NFP

Genre: Literaturverfilmung, Komödie

Darsteller: Reda Kateb, Sophie Semin, Jens Harzer

Regie: Wim Wenders

Kinostart: 26.01.17

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Die schönen Tage von Aranjuez

Gesäusel im Sommergarten

Einen Sommerdialog nannte Peter Handke sein Stück „Die schönen Tage von Aranjuez.“ Eine Frau, ein Mann an einem Tisch unter freiem Himmel, vertieft ins Gespräch, das an der Oberfläche eines der Erinnerungen ist. Erinnerungen an die Liebe und die Geliebten. Eine poetische Meditation des Vergegenwärtigens im melodiösen Fluß aus Frage und Antwort, Insistieren und Innehalten. Unter dieser ruhigen Oberfläche aber hat dieser Text Strudel, die die Melodie mit Dissonanzen versorgen. Unterströmungen, in denen auch eine Ahnung von der Unzulänglichkeit treibt, die noch jeder Liebe anhaftet.

Aber zum Glück, so sagt es der Mann zur Frau „ ... ist das hier zwischen uns beiden kein Drama, sondern nichts als ein Sommerdialog.“ Und den hat Wim Wenders jetzt verfilmt. In einem Landhaus in der Île-de-France, in dem Sarah Bernhardt wohnte, die auch jenen schönen Garten anlegte, in dem jetzt die Kamera geradezu daherschwebt. Im harmonischen Fluß aus Kreisfahrten und Schwenks, sanften Wechseln zwischen Insistieren und Innehalten beim Blick in die Gesichter. Und einem 3D, das der Landschaftsweite bis zum am Horizont flimmernden Paris eindrückliche Tiefenschärfe schenkt.

Etwas, was dem Handke-Text unter Wenders’ Fittichen dann doch abhanden gekommen ist. Strudel und Unterströmung plätschern hier als gepflegter Manierismus, dessen Symptom ein latent prätentiöser Säusel-Ton ist, zu dem vor allem Schauspielerin Sophie Semin (die Lebensgefährtin, der Handke sein Stück einst widmete) geradezu verdammt scheint. Was auf Dauer nicht nur in den Ohren schmerzt, weil dieser Ton eben keiner überlegender Ruhe oder auch innerer Stärke ist, sondern einfach nur: Gesäusel. Und das auch, wenn es um „Fick- und Vögeljahre“ geht oder um das Preisgeben von intimsten Gefühlen und Gedanken.

So ist man fast geneigt, wenn dann einmal in einem hübschen Cameo-Auftritt Handke als Gärtner am Seitenrand des Geschehens erscheint, um aus diesem umgehend wieder zu verschwinden, das glatt als Flucht zu interpretieren. Womit man freilich falsch liegen dürfte. Zum sechsten Mal arbeiten Wenders und Handke hier zusammen. Was davon dieses Mal hängenbleibt, ist ein (wie gehabt bei Wenders) toller Soundtrack (inklusive Nick-Cave-Auftritt) und Lust auf den Sommer. Aufs Windrauschen in den Bäumen statt Wortsäuseln auf der Leinwand.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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