DDR 1972/73, 82 min
FSK 0
Verleih: defa-spektrum

Genre: Drama, Polit

Darsteller: Heidemarie Wenzel, Günter Naumann, Andreas Gripp

Regie: Iris Gusner

Kinostart: 07.10.10

Noch keine Bewertung

Die Taube auf dem Dach

Archäologisches aus der DDR

Gleich zu Beginn: DIE TAUBE AUF DEM DACH ist wirklich kein Film, den man sehen muß. In cineastischer Hinsicht birgt diese Arbeit aus dem Jahre 1972 nichts, was reizen könnte, das Eintrittsgeld fürs Kino auszugeben. Erzählt wird eine Geschichte vom Bau. Beliebte Kulisse für sozialistisch Realistisches. Oder das, was man dafür hielt. Denn DIE TAUBE AUF DEM DACH ist ein Film aus der DDR. In der nun wurde ja viel gebaut, vornehmlich an einer neueren, besseren Welt. Aber der Weg zu dieser ist steinig, auch weil die Menschen halt sind, wie sie sind. Nur schwer erneuerbar eben. Und so ist auch die Geschichte hier eigentlich eine alte. Eine Frau zwischen zwei Männern. Linda, eine engagierte junge Bauleiterin, Daniel, ein Student, der auf dem Bau den Sozialismus voranbringen will, und Hans, ein alternder Brigadier. Archetypen der DDR-Gesellschaft. Und als solche wirken sie auch heute recht ausgestanzt – mit ihren Problemen, Zweifeln, Selbstfindungen.

Sieht man sich das jetzt noch einmal an, läßt sich wirklich nicht mehr ermessen, was einst an diesem Film so problematisch war, daß die DDR-Funktionäre ihn nach kurzen Aufführungen verbieten ließen. Obwohl – eigentlich weiß man es ganz genau, zumal wenn einem das zweifelhafte Vergnügen zu Teil wurde, in der DDR ein Stück Lebenszeit verbracht zu haben. Dieses Land war so miefig und kleinkariert und stupide, daß selbst ein Film wie eben Iris Gusners DIE TAUBE AUF DEM DACH als eine Bedrohung empfunden werden mußte. Ein Film, der doch recht harmlos, wenn auch mit einem realistischen Blick auf seine Zeit und die Menschen in ihr schaut.

Schauspielerisch ist das nun ganz anständig, inszenatorisch spürt man ein nicht unsympathisches Sichausprobieren der Regisseurin. Alles okay, nur ging die Zeit, gleichgültig wie sie manchmal ist, über diesen Film hinweg. Der ist ein schwacher Widerhall aus einer historischen Randglosse, die meinte, daß die Zukunft ihr gehöre. Und so ist dann doch nicht ohne Reiz, wie in leitmotivischer Variation in DIE TAUBE AUF DEM DACH sich die Figuren immer wieder fragen, was sie wohl im Jahr 2000 machen werden. Der Sozialismus müsse dann ja verfestigt genug sein, um endlich auch privat nicht mehr in dialektischen Widersprüchen aufgerieben zu werden. Da versteht man, daß an der DDR nicht nur Mief, Enge und Stupidität haftete, sondern auch ein gerüttelt Maß Naivität. Die kann man rührend finden – muß man aber nicht.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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1 Meinung zur Rezension oder zum Film

[ 13.10.10, 20:55:06 – marlonbrando ]
diese schnodderige, oberflächliche
Beurteilung hat dieser Film nicht verdient




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