Originaltitel: SVETAT E GOLYAM I SPASENIE DEBNE OTVSYAKADE

Bulgarien/D/I/Slovenien 2008
Verleih: Arsenal

Genre: Drama, Literaturverfilmung, Poesie

Darsteller: Miki Manojlovic, Carlo Ljubek, Hristo Mutafchiev, Ana Papadopulu, Lyudmila Cheshmedzhieva

Regie: Stephan Komandarev

Noch keine Bewertung

Die Welt ist groß und Rettung lauert überall

Strample zurück in Dein Leben!

Ja, unsere modernen Zeiten sind hart. Da will man nicht auch noch im Kino schwere Stoffe sehen, richtig?! Wer jetzt nickt, freue sich: Dieser Film hier kleistert garantiert eine Überdosis Balsam auf die Seele, obwohl es anfangs kaum danach ausschaut, denn alles beginnt mit einem Autounfall. Nur Alexander überlebt, verlor aber neben seinen Eltern gnädigerweise das Gedächtnis, ergo jede Erinnerung an die Tragödie. Weshalb Großvater Bai Dan aus Bulgarien anreist, um ihm bei der Rückkehr ins Leben zu helfen, primär mit Hilfe eines Backgammon-Bretts sowie eines Tandems. Nach kurzer Annäherung reisen die Männer also durch die Welt zu den Stätten, welche für die familiäre Vergangenheit irgendwie wichtig waren. Sie strampeln, sie spielen, und langsam findet Alexander wieder zu sich.

Um das Publikum bloß nicht zu überfordern, erstrahlen Rückblenden dabei in Sepiatönen, während die Gegenwart von kühlen Farben dominiert wird. Simpler geht es kaum? Irrtum, denn auch sonst regieren Vereinfachungen – vor allem, wenn das Drehbuch ernste Passagen allzu zackig abhandelt. Weswegen zum Beispiel unmenschliche Zustände in Auffanglagern ebenso diffus umrissen bleiben wie die Hürden einer Kindheit im Sozialismus. Weil die Regie mehr Zeit investiert, sich anzubiedern, von großväterlichen Kuppelversuchen erzählt oder Gesang und Tanz lebensfreudiger Menschen beiwohnt.

Schließlich sehen wir Alexander, der grinsend auf dem Tandem zu seinen Großeltern fährt, einer bestimmt rosigen Zukunft inklusive unmöglicher Würfelerfolge (man frage nicht, sondern erlebe diese bis zum Kitsch symbolisierte Szene bei Bedarf selbst) entgegen, während im Parallelschnitt die Omi ein Blümchen pflanzt, gestiftet vom Opi. Seufz. Fehlt eigentlich bloß noch Lilo Pulvers Schlager von der Tonspur, in dem sie offenbarte: „Ich lach’, was soll ich weinen, die Tränen sind zu dumm!“

Und wie Lilo scheinbar jedes Problem durch entschlossenes Gelächter in die Flucht schlug, so radelt dieser Inbegriff eines Feel-Good-Movies über die Krisen seiner Protagonisten einfach hinweg und balzt nebenbei wahrscheinlich vielerorts mit Erfolg – diverse Festivalpreise bezeugen es – um die Sympathie des Zuschauers. Welcher beim Wiedereintreffen zu Hause allerdings das Gefühl hat, nach dermaßen viel Gutmenschelei wäre eine Dusche angebracht.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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