Originaltitel: CET AMOUR LÀ

F 2001, 100 min
Verleih: Alamode

Genre: Biographie, Drama, Liebe

Darsteller: Jeanne Moreau, Aymeric Demarigny

Stab:
Regie: Josée Dayan
Drehbuch: Josée Dayan

Kinostart: 02.01.03

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Diese Liebe

Les mots et l’amour - ein letzter Kampf

Buch um Buch. Marguerite Duras hat über ihren letzten Geliebten geschrieben, Yann Andrea Steiner faßte nach ihrem Tod "Diese Liebe" in Worte. Verwunderung spricht aus dem Titel - über ein trotz allem geglücktes, ein eigentlich unmögliches Miteinander. Dieses Erstaunen trägt auch Josée Dayans filmische Nachdichtung dieser Intim-Chronik, die ihren Figuren behutsam nachspürt, ohne sie je in einer Ecke ihres Innenlebens zu stellen.

Daß die sechzehn Jahre dauernde Beziehung zwischen der alten Dame und dem fast vierzig Jahre jüngeren Mann mit dem Schreiben begann, mit den Briefen der Bewunderung eines jungen Studenten, bleibt leise angedeutet. Die berühmte Schriftstellerin wußte, daß der Beginn immer das Schwierigste ist, die Regisseurin weiß es auch: Mythen haben keine Vorgeschichte, keinen Anfang. So scheint es fast, als hätte das Meer diesen jungen Mann angespühlt, direkt in Marguerites Zimmer in Trouville - die Geschichte generiert sich selbst. Man erkundet sich mit den Augen, man trinkt und ißt, er schweigt meist verlegen, sie schweigt überlegen, manchmal verstockt. Er bleibt bei ihr, sie schmeißt ihn raus, er kommt zurück, sie nimmt ihn auf. Im Schreiben wie im Leben sind sie ungleiche Komplizen: Ihre Worte gelangen durch seine Hände aufs Papier, er führt sie behutsam durch ihre Alkoholdelirien und erträgt ihre vulkanartigen Ausbrüche mit beinahe väterlicher Gelassenheit. Marguerite, das Genie, und Yann, die Null - sie hat die intellektuellen Machtverhälnisse festgelegt.

Dayan blättert das nervenzerreibende Abenteuer eines Zusammenlebens in Kapiteln auf, findet für jedes einzelne einen besonderen Ton, nie indiskret, aber immer präzise.

Jeanne Moreau hat sich für ihre Rolle in tausend Frauen verwandelt: sie ist kalte Denkerin, umsorgende Mutter, freches Gör, zartes Mädchen, versoffene Diva, alberner Fratz, staubtrocken, berührend, begehrend, abweisend - alles immer ganz und zugleich. Ein sentimentaler Schlager wird in ihrem Mund zum ironischen Abschiedsgesang: Duras, c’est fini.

[ Sylvia Görke ]

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