Originaltitel: POSOKI

Bulgarien/D/Mazedonien 2017, 103 min
Verleih: Aktis Film

Genre: Drama, Episodenfilm

Darsteller: Wasil Wasiljew Zuek, Dobrin Dosew, Iwan Barnew

Regie: Stephan Komandarew

Kinostart: 03.05.18

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Sofias Nachtgestalten

Das Taxi – fahrendes Universum kleiner Tragödien und Freuden. Arbeitsort auf vier Rädern, gern im Zweitjob oder als Ausgleich mißglückter Studiengänge ausgeübt. Filmregisseure hat das schon immer gereizt. Von Kiarostami bis Jarmusch, von Scorsese bis Panahi – Taxen reizen. All das plus Andreas Dresens NACHTGESTALTEN führt hin zum neuen Drama von Stephan Komandarew, der als fast alleiniger Vertreter des bulgarischen Kinos auf internationalem Parkett gilt. Festivals holen ihn regelmäßig, ins Tagesprogramm der Kinoländer schafft er es jedoch selten.

Bulgarien sei ein Land der Optimisten, heißt es in DIRECTIONS. Die Pessimisten und Realisten wären längst abgereist. Gott ist also Pessimist oder Realist, denn an anderer Stelle sagt einer der Charaktere: „Gott hat dieses Land schon vor langer Zeit verlassen.“ Und so ist es keine Überraschung, daß es hier sehr schnell um Korruption und Ausweglosigkeit, Rache und Suizid, Prostitution und Auswanderung gehen wird. Verhandelt wird das alles – genau, im Taxi.

Humor ist selten in Komandarews Film. Auch die Wärme kommt nur sporadisch durch. Etwa, wenn sich einer der Fahrer zu einem kleinen Flirt versteigt und von der blonden, großäugigen Insassin auf dem Rücksitz keineswegs barsch abgewiesen wird. Dann atmet dieser Moment etwas Hoffnung. Nicht ohne Grund wird es dieser Taxifahrer sein, der auch noch einen potentiellen Selbstmörder vom Brückengeländer kratzt. Ansonsten ist die Nacht, in der Stephan Komandarews Episoden spielen, durchaus allegorisch zu verstehen. Bulgarien im Dunkel.

Da ist ganz am Anfang Mischo, Vater einer 12jährigen, der eigentlich seine Werkstatt zum Laufen bringen will und sich mit dubiosen Schwarzgeld-Bankern eingelassen hat. Zehn Minuten Echtzeit ohne Schnitt führen in die Katastrophe und DIRECTIONS hin zu seinem Pulsschlag. Persönliche Schicksale werden fortan in diesen Autos verhandelt, stets kreisen die Geschichten um Fahrerinnen und Fahrer sowie deren laute und leise Gäste. Das große Ganze zum bulgarischen Status Quo kommt dann aus den Radios. Das ist in der Breite natürlich zu heftig, auch zu offensichtlich auf Ausweglosigkeit und Krise getrimmt und wurde als dramaturgischer Kniff schon zu oft gesehen.

Dennoch entwickelt DIRECTIONS durch seine dichte Erzählweise eigenen Drive, nicht durchgängig zwar, aber Auto zu fahren ohne Bremse ist ja auch nicht möglich.

[ Andreas Körner ]

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