Originaltitel: DJ AHMET

Nordmazedonien/Tschechische Republik/Serbien/Kroatien 2025, 99 min
Verleih: Neue Visionen

Genre: Tragikomödie, Poesie

Darsteller: Arif Jakup, Dora Akan Zlatanova, Agush Agushev, Aksel Mehmet

Regie: Georgi M. Unkovski

Kinostart: 19.03.26

DJ Ahmet

Hirtenarbeit und der Liebe Nahrung

Wie heißt es bei Shakespeare: „Wenn Musik der Liebe Nahrung ist, spiel weiter!“ Und dann tanz! Wie man hinzufügen muß, schaut man jetzt DJ AHMET an. Ein Film, der durchaus Züge einer Shakespeare-Komödie trägt.

Viel Grund zur Lebensfreude bietet das Leben dem 15jährigen Ahmet gerade nicht. In seinem Dorf, irgendwo in der mazedonischen Einöde, ist er ein Außenseiter. Die Mutter ist gestorben, der schmerzgegrämte Vater von harscher Strenge. Und Ahmets kleiner Bruder Naim spricht seit dem Tod der Mutter kein einziges Wort mehr. Zudem wird im Haushalt das Geld knapp. Weshalb Ahmet sich außer um Naim bald auch noch um die 19 Schafe der Familie zu kümmern hat. Hirtenarbeit statt Schule. Und statt Leichte der Jugend nichts als die Last der Verantwortung.

Wie trostlos! Wäre da nicht die Musik. Kopfhörer ins Ohr und raus aus der Tristesse: Es ist berührend zu sehen, wie Ahmet sich immer wieder mit Rave-Mucke für Momente der Weltvergessenheit hingibt. Und wie er dabei gleichwohl den Bruder nicht vergißt. Musik als Kraftquelle begreifend, als Herzensnahrung, auch für die Bruderliebe. Allerdings nicht nur für die, wie sich zeigt, als Ahmet Aya kennenlernt. Die ist hübsch und selbstbewußt und arbeitet mit ein paar Freundinnen zielstrebig daran, das nächste Dorffest mit einer TikTok-reifen Tanzchoreographie aufzumischen. Ein Plan mit Hintergedanken. Steht Aya doch eine arrangierte Hochzeit bevor, auf die das Mädchen so gar keine Lust hat. Eine unbotmäßige Tanzaufführung könnte da möglicherweise den Bräutigam vergraulen. Was Ahmet nur recht wäre. Aber kann man sich aus den Zwängen der Tradition und des Lebens tatsächlich freitanzen?

Das Erstarrte und das Bewegliche, die Alten und die Jungen, patriarchale Enge und das Aufbegehren dagegen – in DJ AHMET läßt Regisseur Georgi M. Unkovski am Rand der Welt (oder wenigstens Europas) Welten kollidieren, Herzen wilder pochen, Gefühle Kobolz schlagen. Dazu kommen mit kräftigem Strich gezeichnete Charaktere, gewitzte Dialoge, bukolische Landschaftsbilder, ein Schaf in Pink und ein Dorf-Muezzin von erstklassiger Narren-Qualität. Eine bittersüße und herzerwärmende Komödie über die Wirkkraft der Liebe. Und die der Musik natürlich.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.