Originaltitel: DOKTOR PROKTORS TIDSBADEKAR

Norwegen/D 2016, 95 min
FSK 6
Verleih: Wild Bunch

Genre: Kinderfilm, Abenteuer

Darsteller: Emily Glaister, Eilif Hellum Noraker

Regie: Arild Fröhlich

Kinostart: 02.06.16

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Doktor Proktors Zeitbadewanne

Zweiter Streich – auch nicht viel besser

Schon ein echtes Genie, dieser Doktor Proktor: Letztes Jahr hat er das Pupspulver erfunden, hier nun die Zeitbadewanne, demnächst wird beides vielleicht kombiniert und ein human betriebener Whirlpool draus. Aber schweifen wir jetzt mal nicht ab, sondern tauchen unter Einsatz besagten Badutensils tief in die Handlung ein.

Zunächst bekommen Lise und Bulle eine Postkarte aus dem Jahr 1969, abgeschickt vom spinnerten Kumpel Proktor, welcher seine Angebetete, die reizende Juliette Margarine, vor der unliebsamen Verehelichung retten wollte. Dazu diente ihm eben jene Zeitbadewanne, denn die ermöglicht freies Reisen durch die Jahrhunderte, genügend Vorrat an spezieller Seife vorausgesetzt. Und genau daran hapert’s gerade, weswegen die beiden Kinder als Lieferanten dienen sollen – das Abenteuer beginnt. Doch man kennt das ja aus diversen anderen Filmen: Rumpfuschen in der Vergangenheit führt zu Änderungen der Gegenwart und Zukunft, was gern im Chaos mündet. Zusätzlich schleicht (bzw. rollt, weil Beinprothese) regelmäßig eine gar schreckliche Schurkin daher.

Wer sich nun an Teil 1 erinnern möchte, memoriert schnell, daß es dort für den an Dauerblähungen nicht sonderlich humoristisch interessierten Zuschauer, ob klein, ob groß, kaum etwas Gutes gab. Das Wenige findet sich – natürlich neben dem Erfolgsrezept Pupspulver – jetzt wieder, namentlich schön gemachte Ausflüge in selige Stummfilmzeiten. Dann hört’s grundsätzlich schon auf, zumindest bieten verschiedene Epochen der Geschichte jede Menge Raum für Ausstattungsorgien, auch das allgemein zackige Tempo kriegt ein Sternchen. Der Rest schreit allerdings bekannten Moderner-Kinderfilm-Lärm: unter Dreckkrusten versteckte Hippies, gruselige Wortspiele, überagierende Darsteller, die oben erwähnte Finsterfrau als Ausbund an draufgeklatschtem Make-up und schlimmer Perücke, dezente sexuelle Anspielungen ... Eine endlos fortsetzbare Liste der Nervigkeiten.

Durchaus verblüffend indes der entspannte Rückgriff auf Beschimpfungen („Du elende, niederträchtige, stinkende Seifensiederin!“). Paßt zumindest ganz gut zu gleich zwei eingebauten Hinrichtungen, wobei die erste viel übers Funktionieren einer Guillotine lehrt, und bei der zweiten die hiesig auf den Scheiterhaufen geworfene Hexe ihre allerletzten Atemzüge „Take On Me“ schmetternd vergeudet. Ja, unsere Kurzen wollen halt früh abgehärtet werden ...

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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